Melange: Mitunter fair

2. Juli 2004, 17:26
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Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer gibt sich zum Abschied wehmütig

Wien - Eigentlich habe er jetzt die beiden Flügeltüren zumachen wollen, um die Journalisten quasi einzusperren. In diesen Extraraum des Heurigen. Er habe es sich aber doch anders überlegt. Launisch wollte Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer bei einem Medien-"Abschiedsabend" in Neustift am Walde an eine, wie er sagte, "patscherte Äußerung" erinnern.

Und er meinte wohl jenen heftig debattierten "Journalistenparagrafen", der Journalisten, die aus geheimen Gerichtsakten zitieren, mit Haftstrafen bedrohen sollte. "Alles ein Missverständnis", sagte Böhmdorfer. Aber die "Unerbittlichkeit", mit der er in der Folge kritisiert worden sei, habe ihn "sehr betroffen" gemacht, zeigte der künftige einfache Abgeordnete dünne Haut. "Äußerst schmerzlich", kramte der Exminister weiter in Erinnerungen, sei die Causa des Finanzministers Karl-Heinz Grasser gewesen. Damals, als dieser zur anderen Partei gewechselt sei. Dabei: Die Sache wäre rettbar gewesen, glaubt er heute.

Zu seiner Nachfolgerin Karin Miklautsch wollte ihm nicht allzu viel einfallen. Auch nicht zu seinem freiwilligen Abgang. Er wollte den Weg freimachen, um einen Konflikt zu verhindern. Der kam aber auch ohne ihn. Trotz etlicher Irritationen mit Journalisten bedankte er sich dennoch launig für die zumindest "mitunter faire Berichterstattung". (mue/DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

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