Salzburg: Mozartjahr bleibt Geheimakte

4. Juli 2004, 20:00
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Keine Information für Gemeinderat - Zehnköpfiges Gremium soll koordinieren

Salzburg - Mit welchem Programm und mit welchen Budgets werden Land und Stadt Salzburg in das Mozartjahr 2006 gehen? Diese Frage versucht die kulturell interessierte Öffentlichkeit an der Salzach seit Monaten zu enträtseln. Mit äußerst mäßigem Erfolg. Lediglich einige Aktivitäten der Stiftung Mozarteum, eine Ausstellung und der Rekordversuch der Festspiele alle 22 Mozartopern in Serie auf die Bühne zu bringen, sind bis dato offiziell.

Knapp eineinhalb Jahre vor Beginn des Jubiläumsjahres ist noch nicht einmal die personelle Zusammensetzung des das Programm koordinierenden Beirates bekannt. Lediglich einzelne Namen wie beispielsweise der des ehemaligen Leiters der Kulturredaktion der Salzburger Nachrichten, Werner Thuswaldner, sind durchgesickert.

Nach einer Kuratoriumssitzung des landeseigenen Büros "Mozart 2006" am Mittwoch, versuchte diesen Donnerstag nun der Kulturausschuss des Salzburger Gemeinderates endlich Licht in das mozartliche Dunkel zu bringen. Aber selbst die gewählten Gemeinderäte scheiterten glatt. Inge Brodil, Generalsekretärin von "Mozart 2006", war bei der Ausschusssitzung eingeladen und auch erschienen, allerdings zu keinem einzigen Statement zu bewegen.

Begründung: Sie wäre nur bereit, dem zuständigen Stadtausschuss "informell" Rede und Antwort zu stehen. Angesichts der bei der öffentlichen Ausschusssitzung ebenfalls anwesenden Medienvertreter würde sie aber einer für kommende Woche anberaumten Pressekonferenz von Bürgermeister Heinz Schaden und Landeshauptfraustellvertreter Othmar Raus (beide SP) vorgreifen; sprach's, verließ samt mitgebrachten Präsentationsmaterial wieder den Sitzungssaal und ließ eine ziemlich betretene Politikerrunde zurück.

Während sich SPÖ und ÖVP noch mit dem Hinweis zu trösten suchen, man könne sich ja gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt über das Mozartjahr unterhalten, formulieren Bürgerlistengemeinderat Bernhard Carl und FP-Mann Christian Schneeberger ihre Kritik beinahe wortgleich und grundsätzlicher: "Salzburgs Gemeinderäte werden also erst aus den Medien erfahren, welchem Programm sie letztlich zustimmen sollen." Die Stadt soll das Mozartjahr aber immerhin mit drei Millionen Euro unterstützen.

Vonseiten der Büros von Schaden und Raus wird indes jegliche Anweisung zur Geheimhaltung bis zur großen Programmpräsentation heftig bestritten. Nachsatz: Zum großen Auftrieb bei der Pressekonferenz kommende Woche wird herzlich eingeladen. (neu)

Mozart-Gremium

Ein zehnköpfiges Gremium von Salzburger Persönlichkeiten aus der Kultur soll ab sofort die Veranstaltungen des Mozartjahres 2006 koordinieren - hat das Kuratorium des Büros "Mozart 2006" unter dem Vorsitz von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) beschlossen. Genannt wurden etwa Jürg Stenzel, Rudolf Angermüller von der Internationalen Stiftung Mozarteum, der ehemalige Leiter der Kulturredaktion der 'Salzburger Nachrichten', Werner Thuswaldner, der Kurator und "Zeitfluss"-Mitgründer Thomas Zierhofer und Karl Zechenter von der ARGEkultur. Beschlossen hat das Kuratorium auch das Budget. Das Land stellt vier Millionen und die Stadt drei Millionen Euro zur Verfügung. (neu /APA / DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

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