Mit der Brechstange

7. Juli 2004, 19:10
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Kommentar zu Ed Fagans Vorgangsweise
Von Thomas Trenkler

Eines muss man Ed Fagan lassen: Er hat Instinkt. Und weil der NS-Kunstraub leider noch immer nicht wirklich aufgearbeitet ist, bringt er im Namen einer von ihm selbst gegründeten Holocaust-Opferorganisation Klagen ein. Zuerst gegen die BA-CA und die Erste, nun gegen so ziemlich alle, die im Verdacht stehen, keine weiße Weste zu haben: Denkmalamt, Dorotheum, Leopold Museum, Kunsthistorisches Museum ...

Geschieht ihnen recht, könnte man sagen: Fast 60 Jahre hatte man Zeit, die in der NS-Zeit gestohlenen Kunstwerke zurückzugeben. Und auch seit der Beschlagnahme des Bildnis Wally aus der Sammlung von Rudolf Leopold, mit der die Aufarbeitung einsetzte, sind bereits sechseinhalb Jahre vergangen. Aber noch immer gibt es viele ungelöste Fälle. Und noch immer wehren sich staatliche und staatsnahe Sammlungen, unrechtmäßig erworbene Kunstschätze zu restituieren. Selbst Museen, deren Direktoren stolz verkündeten, alle Problemfälle bereinigt zu haben, sind weiterhin in Besitz gestohlener Kunstwerke.

Ed Fagan fährt daher schweres Geschütz auf. Aber weder gibt er seine Klienten bekannt (die von News als Fagan-Verlautbarungsorgan genannten Rothschilds, die wirklich alle Kunstwerke zurückbekommen haben, können es nicht sein), noch weiß er, welche Bilder er zurückfordern will. Auch Beweise legt er keine vor. Denn er scheint nicht an seriöser Aufarbeitung interessiert zu sein: Er will nur zu Geld machen, was u. a. Sophie Lillie in ihrem exemplarischen Buch Was einmal war herausfand.

In Österreich geht manches zwar sehr langsam, aber es gab in den letzten Jahren auch sehr viele Rückgaben. Selbst Rudolf Leopold hat nun einen Provenienzforscher verpflichtet: All dies muss man mitbedenken. Die Methoden, mit denen Ed Fagan arbeitet, sind daher abzulehnen. Weil sie das Klima verpesten. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

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