Blaue Boxenludereien

1. Juli 2004, 18:12
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Jörg Haider ist nicht der einzige Mann, für den Frauen offenbar nur als Maria Magdalena oder Madonna denkbar sind - Von Barbara Tóth

Jörg Haider ist nicht der einzige Mann, für den Frauen offenbar nur als Maria Magdalena oder Madonna - Sünderin oder Mutter - denkbar sind; die Dualität in der Wahrnehmung des Weiblichen ist breit dokumentiert und psychologisch ausgeleuchtet. Neufreiheitlich formuliert heißt das nun "Boxenluder" und "Parteimama". Mit Ersterem bedachte Haider scherzhaft die neue Justizministerin Karin Miklautsch. Letzteres wird seit jeher für Frauen in FP-Führungspositionen verwendet, aktuell für die designierte Parteichefin Ursula Haubner.

Frauen in der FPÖ hatten immer schon als Aufputz oder als aufopfernde Mutterfiguren zu dienen. Die einen sollten die FPÖ vor allem für neue, weibliche Wählerschichten erschließen, die anderen erledigten - meist unbedankt - die parteiinterne Aufräumarbeit. Für beide Typen galt: Der Machismo der herrschenden Herren ist nicht infrage zu stellen. Ansonsten droht ihnen das Schicksal einer Heide Schmidt oder einer Susanne Riess-Passer, beide von der blauen Geschichtsschreibung konsequenterweise als "gefallene Mädchen" stilisiert.

Diese schmierige Mischung aus Männerschmäh und Mutterkult dominiert auch heute noch die Grundstimmung in der Partei - auch und vor allem, weil die Buberlpartie von einst mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Ein eigenständiges, freiheitliches Frauenbild konnte sich so nie entwickeln. Auch, weil Haider es nicht zuließ. Er habe "noch nie eine erotische Politikerin" kennen gelernt, ließ er 1986 in einem berühmt gewordenen Interview tief blicken, "fast alle werden verhärmt davon".

Und Haubner? Sie bleibt brav im familiären Schema. Die Partei brauche Proponenten "nicht nur für den Geist", sagte sie im ORF-"Report" über Miklautsch. Ein Satz, der auch von ihrem Bruder hätte stammen können - nur ein bisschen höflicher. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

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