Powells Sudan-Einsatz

1. Juli 2004, 18:08
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Mit seinem Besuch in Darfour hat Powell die US-Führerschaft beim Konfliktmanagement in Afrikas größtem Staat einmal mehr bestätigt - Von Markus Bernath

Mit seinem Besuch in Sudans Krisenregion Darfour hat Colin Powell die Führerschaft der USA beim Konfliktmanagement in Afrikas größtem Staat einmal mehr bestätigt. Es ist eine kuriose Führung: Washington hat zuletzt die jahrelangen Verhandlungen zwischen den SPLA-Rebellen im Süden und der Regierung in Khartoum bis zu einem Rahmenabkommen vorangebracht, der Krise in Darfour - wo von der Regierung gesponserte arabische Milizen Jagd auf die schwarze Bevölkerung machen - Aufmerksamkeit verschafft und führt den Sudan weiter als Terrorismus unterstützenden Staat auf seiner Watchlist.

Der amerikanische Außenminister, der UN-Generalsekretär Kofi Annan bei seiner Runde durch ein Flüchtlingslager um einen Tag zuvorkam, wandert gleichwohl auf einem schmalen Grat. Die Angriffe auf die Darfour-Bevölkerung seien noch kein Völkermord, erklärte Powell zur Beruhigung Khartoums, also keine geplanten, systematisch durchgeführten "ethnischen Säuberungen". Dem sudanesischen Präsidenten Bashir drohte Powell dennoch mit Sanktionen der UNO, sollte Khartoum nicht "innerhalb von Tagen oder Wochen" seine mehrfach gegebenen Versprechen einer Entwaffnung der Milizen und eines gesicherten Zugangs für humanitäre Hilfe erfüllen. Der flugs von Washington im UN-Sicherheitsrat vorgelegte Resolutionsentwurf richtet sich aber zunächst nicht gegen die Drahtzieher in Sudans Hauptstadt, sondern will Reisebeschränkungen und ein Waffenembargo gegen die Milizen in Darfour verhängen.

Nun ist von den Janjaweed-Reitermilizen nicht bekannt, dass sie ausgiebig Flugtickets für Auslandsreisen erwürben. Auch gilt ein internationales Waffenembargo als wenig schlagkräftig, da genug Waffen innerhalb des Sudans gehandelt werden. Die USA haben ihr eigenes Interesse: Khartoum zur Kooperation drängen, aber ohne radikal-islamische Gegenkräfte zu wecken. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

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