Androsch will weniger Feiertage

16. Juli 2004, 11:31
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Donnerstag-Feiertage "zerreißen gesamte Arbeitswoche" - Abtausch gegen zusätzliche Urlaubstage denkbar

Wien - Hannes Androsch, Ex-Finanzminister, Industrieller und prominenter Wirtschaftsdenker der SPÖ, hält von der diskutierten Arbeitszeitverlängerung auf 40 Wochenstunden nichts. Er ist laut einem Zeitungsbericht für viel radikalere Modelle: Die totale Flexibilisierung der Arbeitszeit und die Abschaffung der Donnerstag-Feiertage (im Abtausch gegen zusätzliche Urlaubstage).

Zur "Presse" meinte Androsch, bei einer Lohnkostentangente (Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten) von 10 bis 30 Prozent in der Industrie bringe eine Arbeitszeitverlängerung um 2 Stunden pro Woche eine Arbeitskostenentlastung von 0,6 bis 1,8 Prozent. Damit könne man den Kostenwettbewerb gegen Asien oder Osteuropa nicht gewinnen. Zumal solche Einsparungen durch neue Belastungen wie Ökostromförderung ("fast so obszön wie die Agrarsubventionen") und Road Pricing kompensiert werden.

Unflexible Arbeitsgesetze

Die großen Kostenpositionen liegen woanders, so Androsch. Beispielsweise in unflexiblen Arbeitsgesetzen: "Unter- und Überauslastung sind unglaubliche Kostentreiber", meint der Industrielle. Sein Vorschlag: Die Arbeitszeit solle auf eineinhalb Jahre durchgerechnet werden. Innerhalb dieses Durchrechnungszeitraums solle es keinen Rahmen für die Wochenarbeitszeit geben. "Das soll innerbetrieblich geklärt werden."

Im Extremfall könnte eine Produktionsanlage also bei Auftragsmangel auch einmal stillgelegt werden. Läuft das "Werkel" wieder auf vollen Touren, könnte diese Stilllegungszeit dann innerhalb des Durchrechnungszeitraums durch Mehrarbeit hereingebracht werden. Das wäre praktisch das Ende der Überstundenbezahlung. Dabei dürfe auch Sonntagsarbeit kein Tabu sein, meint Androsch: "In vielen Branchen gibt es das ohnehin schon, und der Bauer fährt ja auch aufs Feld, wenn die Ernte reif ist - und dann wird ohne Blick auf den Kalender durchgefahren."

Donnerstag-Feiertage abschaffen

Abgeschafft gehören laut Androsch auch die Donnerstag-Feiertage, die jeweils "die gesamte Arbeitswoche zerreißen". Statt dessen könnten Arbeitnehmer ein paar Tage mehr Urlaub bekommen. Das reduziere die Kosten für die Unternehmen, weil sich Urlaube besser verteilen lassen.

Alle diese Maßnahmen wären wesentlich besser als Arbeitszeitverlängerungen oder Lohnkürzungen und könnten die Abwanderung in Gebiete, wo zwar die Lohnkosten dann noch immer niedriger seien, aber die schlechte Infrastruktur als kostentreibend wirke, stoppen. "Wir müssen alles tun, um das Wohlstandsniveau zu halten", meint Androsch. Zuwächse bei den realen Löhnen oder beim Sozialsystem seien aber mit Sicherheit auf längere Zeit nicht drin.(APA)

  •    Abgeschafft gehören laut Androsch die Donnerstag-Feiertage,
die jeweils "die gesamte Arbeitswoche zerreißen".
    foto: cremer

    Abgeschafft gehören laut Androsch die Donnerstag-Feiertage, die jeweils "die gesamte Arbeitswoche zerreißen".

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