Donnerstag-Feiertage "zerreißen gesamte Arbeitswoche" - Abtausch gegen zusätzliche Urlaubstage denkbar
Wien - Hannes Androsch, Ex-Finanzminister, Industrieller und
prominenter Wirtschaftsdenker der SPÖ, hält von der diskutierten
Arbeitszeitverlängerung auf 40 Wochenstunden nichts. Er ist laut
einem Zeitungsbericht für viel radikalere Modelle: Die totale
Flexibilisierung der Arbeitszeit und die Abschaffung der
Donnerstag-Feiertage (im Abtausch gegen zusätzliche Urlaubstage).
Zur "Presse" meinte Androsch, bei einer Lohnkostentangente (Anteil
der Lohnkosten an den Gesamtkosten) von 10 bis 30 Prozent in der
Industrie bringe eine Arbeitszeitverlängerung um 2 Stunden pro Woche
eine Arbeitskostenentlastung von 0,6 bis 1,8 Prozent. Damit könne man
den Kostenwettbewerb gegen Asien oder Osteuropa nicht gewinnen. Zumal
solche Einsparungen durch neue Belastungen wie Ökostromförderung
("fast so obszön wie die Agrarsubventionen") und Road Pricing
kompensiert werden.
Unflexible Arbeitsgesetze
Die großen Kostenpositionen liegen woanders, so Androsch.
Beispielsweise in unflexiblen Arbeitsgesetzen: "Unter- und
Überauslastung sind unglaubliche Kostentreiber", meint der
Industrielle. Sein Vorschlag: Die Arbeitszeit solle auf eineinhalb
Jahre durchgerechnet werden. Innerhalb dieses Durchrechnungszeitraums
solle es keinen Rahmen für die Wochenarbeitszeit geben. "Das soll
innerbetrieblich geklärt werden."
Im Extremfall könnte eine Produktionsanlage also bei
Auftragsmangel auch einmal stillgelegt werden. Läuft das "Werkel"
wieder auf vollen Touren, könnte diese Stilllegungszeit dann
innerhalb des Durchrechnungszeitraums durch Mehrarbeit hereingebracht
werden. Das wäre praktisch das Ende der Überstundenbezahlung. Dabei
dürfe auch Sonntagsarbeit kein Tabu sein, meint Androsch: "In vielen
Branchen gibt es das ohnehin schon, und der Bauer fährt ja auch aufs
Feld, wenn die Ernte reif ist - und dann wird ohne Blick auf den
Kalender durchgefahren."
Donnerstag-Feiertage abschaffen
Abgeschafft gehören laut Androsch auch die Donnerstag-Feiertage,
die jeweils "die gesamte Arbeitswoche zerreißen". Statt dessen
könnten Arbeitnehmer ein paar Tage mehr Urlaub bekommen. Das
reduziere die Kosten für die Unternehmen, weil sich Urlaube besser
verteilen lassen.
Alle diese Maßnahmen wären wesentlich besser als
Arbeitszeitverlängerungen oder Lohnkürzungen und könnten die
Abwanderung in Gebiete, wo zwar die Lohnkosten dann noch immer
niedriger seien, aber die schlechte Infrastruktur als kostentreibend
wirke, stoppen. "Wir müssen alles tun, um das Wohlstandsniveau zu
halten", meint Androsch. Zuwächse bei den realen Löhnen oder beim
Sozialsystem seien aber mit Sicherheit auf längere Zeit nicht drin.(APA)