Vater und Sohn Gudenus im STANDARD-Gespräch: "National ist mir recht"

5. Juli 2004, 08:42
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John und Johann Gudenus setzen auf Volksanwalt Stadler und Co und sehen dem Sonderparteitag zufrieden entgegen

Wien – Ob Volksanwalt Ewald Stadler in die FPÖ-Führung kommt, oder der Wiener Landesparteichef Heinz-Christian Strache, ist ihnen wohl egal: Hauptsache die Ausrichtung stimmt wieder. John Gudenus, freiheitlicher Bundesrat, und sein Sohn Johann, Chef des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ), sehen zufrieden dem Sonderparteitag entgegen.

Im nationalen Lager fühlt man sich aufgehoben, wie beide im Gespräch mit dem STANDARD betonen. Der Vater: "Ich bin Österreicher und fühle mich dem deutschen Kulturraum zugehörig. Wenn Sie so wollen: National ist mir recht." Der Sohn: "In Zeiten der Globalisierung ist es wichtig, die Herkunft zu betonen."

Stadler passt politisch, aber auch weil er katholisch ist. EU-Abgeordneter Andreas Mölzer kennt man ohnehin. Vater Gudenus ist Mitherausgeber von Zur Zeit. Und alle eint die Unzufriedenheit mit der Partei. "Steighöhe ist gleich Fallhöhe", meint dazu der Bundesrat. Und kritisiert Haider: "Wir stellen mit Erstaunen fest, mit welcher Sicherheit er personelle Fehlentscheidungen trifft."

Eigentlich ist die Großfamilie tiefschwarz, wie es sich für alten katholischen Adel gehört. "Meine Mitgliedschaft in der FPÖ wird nicht von allen goutiert", erzählt der 63-jährige Bundesrat. Er ist aus Enttäuschung, oder Wut, Blauer geworden. Als Heeresangehöriger habe der nunmehrige Oberst in Ruhe erlebt,‑ welch "ungeheuerlichen Druck" die ÖVP auf Soldaten wegen der Zuteilung günstiger Wohnungen ausgeübt hatte. Seit 1970 ist er Parteimitglied.

Dass Johann Gudenus (27) den Weg in die FPÖ fand erstaunt wenig. Schon in der Schulzeit im Wiener Theresianum ging es los. Vom Vater abgeschaut dürfte er sich den Hang zu markigen Sprüchen haben – er nennt Migration "Umvolkung" und will für "völkische Interessen" eintreten. "Natürlich kann man andere Begriffe nehmen", sagt er – tut es aber nicht. 1995 verlor sein Vater das Nationalratsmandat, als er sagte: "Gaskammern? Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist." Würde er das heute auch sagen? "Zu dieser Aussage stehe ich, denn ich bin ein gesetzestreuer Bürger." (DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

Von
Peter Mayr
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