Fagan in den Fängen der Exekutoren

7. Juli 2004, 19:10
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Bizarre Pressekonferenz des US-Anwalts, Streitwert von 18 Milliarden Dollar - Mit Kommentar

Wien – Ed Fagan dürfte arm wie eine Kirchenmaus sein: In seinen Taschen befanden sich lediglich ein paar Euro, Dollar und Franken. Kreditkarte besäße er keine, sagte der US-Anwalt zu den Exekutoren, die verdutzt fragten, wie er denn seine Reise nach und den Aufenthalt in Wien finanziere. Seine Klienten würden alles zahlen, sagte Ed Fagan.

Der US-Anwalt schuldet einem Kollegen aus dem Kaprun-Prozess Geld: Dessen Forderung ist gerichtlich anerkannt – und wurde nun, am Donnerstag um 12.45 Uhr, vor dem Bildungsministerium am Minoritenplatz vom Bezirksgericht Innere Stadt einzutreiben versucht. Erfolglos.

Diese Ouvertüre zur Pressekonferenz vor dem Tor des Ministeriums, das tatsächlich von acht Polizisten bewacht wurde, war nicht geplant gewesen. Sie brachte Fagan ein wenig aus dem Takt: Er verwechselte mehrfach Namen. In seinen Händen hielt er die Klage, die er in New York gegen die Republik Österreich (samt Finanz- und Bildungsministerium), das Bundesdenkmalamt, das Kunsthistorische Museum, die Nationalbank, das Dorotheum und das Leopold Museum in Zusammenhang mit Kunstwerken, die in der NS-Zeit gestohlen wurden, einzubringen gedenkt. Und er behauptete das Gleiche, was er schon am April behauptete, als er der Creditanstalt einen "Besuch" abstattete. Beweise für seine Verschwörungstheorien blieb er erneut schuldig. Fagan war nicht einmal in der Lage, die Bilder zu nennen, die seiner Meinung nach in der NS-Zeit gestohlen und verkauft oder nie restituiert worden seien. Er sagte nur: Er klage die Rückgabe aller Kunstwerke ein.

Die Republik sei aufgefordert, die Listen mit eben diesen offen zu legen. Denn sie könne sich "nicht mehr hinter der Immunität verstecken", da der Supreme Court die Klage von Maria Altmann gegen die Republik Österreich auf Restitution von sechs Klimt-Bildern in den USA, wie berichtet, für zulässig erachtet. Wie er auf den Streitwert von 18 Milliarden Dollar komme, erklärte Ed Fagan nicht.

Der Anwalt handelt im Auftrag von Ahvram (Association of Holocaust Victims for Recovery of Artwork and Masterpieces). Diese "Holocaust-Opferorganisation" wurde von ihm selbst gegründet. Präsident ist Joram Deutsch, dessen Vater in der Nachkriegszeit ein erfolgreicher Restitutionsanwalt war. Deutsch hat keine gestohlenen Kunstwerke zu beklagen: Er will den Ruf seines Vaters rehabilitiert wissen, der durch ein "Komplott" ruiniert worden sei. Auch auf die Frage nach weiteren Mitgliedern von Ahvram schwieg Fagan. (DER STANDARD, Printausgabe vom 2.7.2004)

Von
Thomas Trenkler

Kommentar

Mit der Brechstange
Von Thomas Trenkler

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    Rechtsanwälte Herwig Hasslacher (links) und Edward Fagan

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    Im Bild versucht ein Gerichtsvollzieher beim Entreffen Fagans eine Taschenpfändung.

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