Voest: Streicher stahlhart zu Kleinen

8. Juli 2004, 15:43
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Die neuen Großaktionäre bleiben unter sich - kein echter Vertreter der Kleinaktionäre in der Hauptversammlung - Lempenau wird Präsident

Linz – Bewegung und erfrischenden Applaus gab es am Mittwoch in der diesjährigen Hauptversammlung der Voestalpine erst, als Voest-Präsident Rudolf Streicher seinen Abschied aus dem Linzer Stahl- und Verarbeitungskonzern ankündigte. Der offensichtlich peinlich berührte ehemalige Fußballpräsident nahm den Ball auf: "Ich weiß nicht, womit ich mir diesen Applaus verdient habe."

Es wäre nicht Streicher, hätte er für den Abschied nach 50 Jahren in Voest und Verstaatlichter, bei der er als Schlosserlehrling begonnen hatte, nicht gleich eine passende Erklärung parat gehabt: Er habe sich bei seinem (unfreiwilligen, Anm. d. Red.) Ausscheiden aus der ÖIAG vor drei Jahren bereits verpflichtet, sein Voest-Aufsichtsratsmandat auslaufen zu lassen.

Dass sich nach der Privatisierung im Vorjahr auch kein Aktionär gefunden hat, der Streicher nominiert hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Neue, alte Gesichter

Die Wahl des zehnköpfigen, runderneuerten Kontrollgremiums ging dann reibungslos über die Bühne. Es spiegelt die neuen Eigentümerverhältnisse wider, wird von einigen Aktionären wegen der starken Oberösterreicher-Präsenz aber auch als "Provinzialisierung" kritisiert.

Dem Gremium gehören nun Oberbank-Chef Franz Gasselsberger, Franz Lauer (Wiener Städtische), Rechtsanwalt Michael Kutschera (Binder Grösswang) und Michael Schwarzkopf (Plansee) an. Die Voest-Mitarbeiterstiftung entsendet nun doch nicht WU- Professor Ewald Nowotny, sondern den Direktor der AK Oberösterreich, Josef Peischer.

Lempenau als Präsident

Um fünf Jahre verlängert wurden Joachim Lemppenau (deutsche Volksfürsorge- Versicherung), der künftig als Präsident fungiert, Vizepräsident Raiffeisen-Oberösterreich-Chef Ludwig Scharinger und als zweiter Vize Rainer Wieltsch (ÖIAG). Das Vorkaufsrecht des Landes Oberösterreich auf Voestaktien von Oberbank, Raiffeisen, Hypo und Co. verschaffte Landesfinanzdirektor Josef Krenner einen Sitz.

Bei Notar Stefan Kralik vom Schutzverband der Anleger (einer Interessensvertretung institutioneller Investoren an der Wiener Börse, Anm.) begehrten einige Kleinanleger auf: Sie wollten lieber Wilhelm Rasinger, wurden von den Institutionellen aber niedergestimmt.

Rekordbilanz

Während das Management unter Generaldirektor Wolfgang Eder für die zweitbeste Bilanz in der Unternehmensgeschichte – der Jahresüberschuss stieg um 71 Prozent von 78 auf 133,3 Mio. Euro, der Umsatz von 4,39 auf 4,645 Mrd. Euro – gelobt wurde, hagelte es für den Umgang mit der Insideraffäre von Ex-Generaldirektor Franz Struzl einmal mehr herbe Kritik. Besonders an Präsident Streicher, der die Causa erst auf öffentlichen Druck aufgeklärt habe.

Außerdem sei nie restlos geklärt worden, ob noch jemand aus dem Unternehmen VAE- Aktien besessen habe. Was wiederum der Voest-General scharf zurückwies: Niemand habe illegale Aktientransaktionen durchgeführt. Die von Anwalt Georg Vetter verlangte Einzelabstimmung über die Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder wurde freilich verweigert.

Als richtig und wirtschaftlich vernünftig bezeichnete Eder den Verkauf der 19,05 Prozent VA-Tech-Aktien zum Preis von 24 Euro pro Aktie. "Hätten wir nicht verkauft, wäre der Kurs noch dort, wo wir verkauft haben."(Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 02.07.2004)

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