Taliban enthaupten christlichen Missionar

2. Juli 2004, 14:06
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Für September geplante Wahlen müssen möglicherweise verschoben werden - Finanzierung nicht gesichert

Kabul - Die radikalislamischen Taliban haben in der südostafghanischen Provinz Ghasni nach eigenen Angaben einen christlichen Missionar enthauptet. Taliban-Sprecher Mufti Abdul Latif Hakimi sagte am Donnerstagabend, der ehemals moslemische Afghane sei von den Amerikanern dafür bezahlt worden, Moslems zum Christentum zu bekehren. Die Rebellen hätten im Haus des Mannes "verdächtige Bücher" gefunden und ihn mitgenommen. "Wir haben ihn geköpft, um andere davor zu warnen, Muslime zum Christentum zu bekehren."

Die bereits von Juni auf September verschobenen ersten freien Wahlen in Afghanistan müssen möglicherweise erneut verschoben werden. Ein Sprecher der Wahlbehörde, Aykut Tavsel, sagte, die Wahlen könnten möglicherweise erst im Oktober stattfinden. Damit wird der Spielraum für einen Wahltermin immer enger. Am 17. Oktober beginnt der moslemische Fastenmonat Ramadan, anschließend bricht der Winter ein. Wahlen gelten dann als nicht mehr möglich.

Angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage sind in der jüngsten Vergangenheit zunehmend Zweifel daran aufgekommen, ob der für September geplante Wahltermin zu halten ist. Die Taliban haben angekündigt, die Wahlen mit Anschlägen zu sabotieren. Zudem kommt nach Angaben der Vereinten Nationen in Afghanistan die Entwaffnung der Milizen viel zu langsam voran.

Laut UNO ist auch die Finanzierung der Wahlen nicht gesichert. Von den derzeit benötigten 78 Millionen Dollar (rund 64 Millionen Euro) fehlten noch 60 Millionen, sagte UNO-Sprecher Manoel de Almeida e Silva. Die 78 Millionen Dollar würden zum jetzigen Zeitpunkt für die Anschaffung des Wahlmaterials und die Bezahlung des Personals benötigt. Die geschätzten Gesamtkosten der Wahlen betragen nach Angaben des Sprechers 101 Millionen Dollar.

Im September sollen die ersten demokratischen Wahlen in Afghanistan stattfinden. Schätzungen zufolge sind knapp zehn Millionen Afghanen wahlberechtigt. Nach Angaben des UNO-Sprechers trugen sich bereits 5,5 Millionen Afghanen in die Wählerlisten ein, unter ihnen zwei Millionen Frauen. Mehr als 100.000 Menschen ließen sich täglich registrieren.

Die spanische Regierung kündigte unterdessen an, die Zahl der in Afghanistan stationierten Soldaten vorübergehend mehr als zu verdoppeln. Zu den Wahlen sollen fast 600 Mann zusätzlich in das Land geschickt werden, sagte Verteidigungsminister Jose Bono. Nach dem Abzug seiner 1.300 Soldaten aus dem Irak hatte Spanien angekündigt, sich stärker in Afghanistan zu engagieren.

Bei Zusammenstößen zwischen afghanischen und amerikanischen Truppen mit Taliban-Kämpfern starben in der südostafghanischen Provinz Zabul nach offiziellen afghanischen Angaben vier Rebellen. Taliban-Sprecher Hakimi sagte dagegen, die Rebellen hätten zehn afghanische Soldaten getötet. In der südafghanischen Provinz Kandahar hätten Rebellen außerdem zwei hochrangige Polizeioffiziere erschossen. Die Behörden in Kandahar wiesen das als falsch zurück. (APA/dpa)

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