EZB lässt Zinsen im Gegensatz zu US-Notenbank unverändert

19. Juli 2004, 16:48
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Trichet: Euro-Raum und USA sind verschiedene Universen

Frankfurt - In den USA steigen die Zinsen, im Euroraum nicht: Einen Tag nach der Zinserhöhung der US-Notenbank sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in Frankfurt am Main: "Die USA sind die USA und der Euro-Raum ist der Euro-Raum. Wir sind zwei verschiedene Universen." Zuvor hatte der EZB-Rat auf seiner turnusmäßigen Sitzung beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen.

Trotz gestiegener Inflation rechnen die Währungshüter mittelfristig weiterhin mit Preisstabilität im Euro-Raum. Zugleich wies Trichet darauf hin, dass sich die Wirtschaftserholung im gemeinsamen Währungsraum fortsetze. Die Weltwirtschaft wachse kräftig, wovon die Exportwirtschaft aus dem Euro-Raum profitiere, begründete Trichet die positive Einschätzung.

Ölpreis belastet

Die Unternehmen verzeichneten nach den vergangenen Umstrukturierungen wieder steigende Gewinne und auch der Privatkonsum sollte wieder anziehen. Positiv sei auch, dass die Wirtschaft im ersten Quartal stärker gewachsen sei als erwartet. Als Risiken für die Konjunktur nannte Trichet die anhaltend hohen Ölpreise.

Nach Einschätzung der Währungshüter wird der hohe Ölpreis die Lebenshaltungskosten kurzfristig weiter belasten. Nach ersten Schätzungen von Eurostat habe die Preissteigerung im Juni 2,4 Prozent betragen, nach 2,5 Prozent im Mai, erklärte Trichet. Mittelfristig geht die EZB aber von Preisstabilität im Euro-Raum aus. Allerdings würden Währungshüter aufmerksam beobachten, ob es zu Zweitrundeneffekten, unter anderem durch Lohnsteigerungen komme.

Bessere Aussichten in den USA

Trotz der Zinsentscheidung in den USA hatten Ökonomen nicht mit einer Straffung der geldpolitischen Zügel im Euro-Raum gerechnet. Auch sie gehen mittelfristig von Preisstabilität im gemeinsamen Währungsraum aus. Zudem sind die Wachstumsaussichten in den USA deutlich besser als in Europa.

Damit habe die amerikanische Notenbank einen größeren Anpassungsbedarf als die EZB. Die EZB würde mit einer übereilten Zinserhöhung dagegen Gefahr laufen, den Konjunkturmotor in Euroland abzuwürgen, argumentierte Fondsmanager Michael Krautzberger von Union Investment. Mit einer möglichen Zinserhöhung im gemeinsamen Währungsraum rechnen die meisten Ökonomen frühestens zur Jahreswende.(APA/AP)

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