Olympia, die Demokratie und die Logik

8. Juli 2004, 17:15
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Da dies eine höchst agitatorische Kolumne wird, shrek (2) ich nicht davor zurück, im alten Athen zu beginnen. Schließlich verdanken wir Athen im ersten Jahrtausend v. Chr. die Erfindung dreier aufregender neuer Spiele, die noch immer für Abwechslung im europäischen Alltag sorgen: Olympia, die Demokratie und die Logik. Wie Demosthenes mit dem Kieselstein im Mund sitze ich also mit der Parisienne im Mundwinkel da und versuche mich in der heiteren attischen Kunst der Demagogie, der Volksverhetzung. Denn Spiele, die heute noch gerne gespielt werden, sind einerseits zu höchster Blüte gelangt, zum Beispiel die heuer wieder in Athen stattfindende sommerliche Leistungsshow der Pharma-Referenten. Oder die Demokratie, deren Untertanen gern in Kinosäle flüchten, um in Königsmythen von Herr der Ringe bis Shrek 2 ihrem vershrek (2)-ten demokratischen Selbstverständnis ein bisschen linderndes Gelee Royale aufzulegen.

Aber andrerseits, oh Shrek 8, verzeichnen wir einen erbärmlichen Niedergang der Logik, der Wissenschaft von Ursache und Wirkung. Wer kennt heute noch den kausalen Zusammenhang zwischen Familienbeihilfe, Kindergeld und Geburtenrückgang? Wäre den Schulen das Geld zugeflossen, welches seit Jahrzehnten die Eltern niederdrückt, dann könnte ich jetzt einen Satz formulieren, der exakt die umgekehrte Proportionalität des auf die armen Eltern geworfenen Geldes zur Höhe der Fertilitätsrate bewiese - aber ich kann es nicht. Meine Schulbildung war bar jeder Logik. Damals gab's nämlich auch schon Familienbeihilfe. Deshalb ganz schmucklos: Erdteile mit kaum Kindergeld haben hohe Geburtenraten, Regionen mit viel Kindergeld eine Pensionistenschwemme. Noch einfacher: je mehr Geld, desto weniger Kinder. Kann man nachlesen. Wenn man Zeit dazu hätte. Hat man aber nicht, denn man muss ja das schmutzige Kindergeld an die blühende Kindergeldabsaugindustrie verteilen. Shrek 2 ist ja noch lustig, aber Pokemon, Nachhilfestunden, T-Shirts, wo University oder Dummbatz draufsteht? Happy Meal? Alles Monster, die pausenlos mit Kindergeld gefüttert werden wollen. Wer kommt da noch dazu, seine sexuellen Probleme zu lösen? Logischerweise gibt's deshalb auch keine weiteren Kinder.

Und nun langer Volksverhetzung kurzer Sinn: Wir können in Shrek 2 rennen, bis wir Rüssel bekommen: Politiker werden bis St. Nimmerlein am mystischen Glauben in die Segnungen des Kindergelds festhalten. Niemand wird uns helfen, wenn nicht wir selbst. Wir Mütter müssen das Kindergeld selbst zu Louis Vuitton tragen. Schon löst sich dieses Ärgernis in Wohlgefallen auf. Verwandelt in ein entzückendes Täschchen, welches demokratisch auch noch das grauslichste Kinderkeks verbirgt. Mit solch einem Täschchen wird man hundertprozentig von Männern angesprochen. Vielleicht sogar von solchen im zeugungsfähigen Alter.
Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin (Der Standard/rondo/02/07/2004)

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