Viagra steigert Geburtenrate bei künstlicher Befruchtung

7. Juli 2004, 11:32
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Wirkung von Sildenafil tritt bei schwacher Gebärmutterschleimhaut in Kraft - Neues Medikament stimuliert Sextrieb bei Frauen

Wien/London - Viagra soll einer neuen medizinischen Studie zufolge nicht nur männliche Erektionen hervorrufen. Bei Frauen führe der Wirkstoff Sildenafil zu einer Steigerung der Schwangerschafts- und der Geburtenraten bei künstlicher Befruchtung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung mit 91 Patientinnen, die Univ.-Prof. Wilfried Feichtinger, medizinischer "Co-Vater" des ersten österreichischen "Retortenbabys", am Wiener Wunschbaby-Zentrum durchgeführt hat.

Behandelt wurden Patientinnen, deren Erfolgsaussichten bei einer künstlichen Befruchtung wegen zu geringer Dicke der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) als schlecht eingestuft worden waren. Ihr Alter lag bei 30 bis 40 Jahren. Das Wirkprinzip von Viagra, eine Blutgefäßerweiterung hervorzurufen, wurde dabei auch bei der Anwendung an der Frau genutzt. Die Erweiterung der Blutgefäße führt zu einem Wachstum der für die Einnistung wichtigen Gebärmutterschleimhaut.

Implantationsrate gestiegen

Die vaginale Verabreichung von Viagra habe eine signifikante Steigerung der Implantationsrate um 16,7 Prozent im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe (10,2 Prozent) bewirkt, teilte Feichtinger am Donnerstag mit. Unter Implantationsrate versteht man die Rate der intakten Schwangerschaften pro eingesetzten Embryo, bei dem im Ultraschall eine intakte Herzaktion nachweisbar ist. Auch die Geburtenrate war bei den mit Viagra behandelten Frauen höher, obwohl Patientinnen ausgewählt worden waren, die von vornherein schlechtere Erfolgschancen hatten, so Feichtinger.

Der Einsatz von Viagra sei für Frauen mit zu geringer Endometrium-Dicke eine gute Therapie auf dem Weg zum Wunschbaby. Laut Feichtinger sind rund 20 Prozent aller Patientinnen über 38 Jahre vom Problem schwacher Gebärmutterschleimhaut betroffen. Bei Raucherinnen liege der Anteil sogar bei 40 bis 50 Prozent. "Die bisherigen Ergebnisse machen Mut, weitere Studien in dieser Richtung zu unternehmen", so der Mediziner.

Medikamentöse Stimulation des Sextriebs bei Frauen

Auch britische Forscher sind dem weiblichen Sexualverhalten - in Anlehnung an Viagra - auf der Spur. Ein neues Medikament wurde entwickelt, das den Sexualtrieb anregen soll. Das Präparat, das ähnlich Hormonen wirkt, zielt nicht auf die Genitalien, sondern auf das Gehirn ab. Seit der Erkenntnis, dass Viagra bei Männern, nicht aber bei Frauen wirkt, war die Wissenschaft auf der Suche nach einem Medikament, das Frauen sexuell stimuliert. Von der aktuellen Neuentwicklung berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

Die Wirkungsweise von Viagra ist relativ simpel: Es erweitert die Blutgefäße und steigert die Blutzirkulation in den Genitalien. Dieser rein physikalische Effekt scheint für die Performance und die Lust am Sex bei Männern auszureichen. Frauen sind jedoch komplizierter: "Der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Orgasmus ist, dass das Gehirn bei den Frauen eine wichtige Rolle spielt", erklärt John Stevenson, ein Endokrinologe am Königlichen Brompton und Harefield NHS Trust. In anderen Worten bedeutet das, dass die physikalische Erregung nicht ohne das psychische Verlangen stattfindet. Und dieses auszulösen, ist viel schwieriger.

PT-141 könnte Libido steigern

Laut James Pfaus, einem Verhaltens-Neurobiologen an der Concordia Universität in Montreal, sind fast 30 Prozent der Frauen in Nordamerika und Europa von Funktionsstörungen im sexuellen Verlangen betroffen. Der Sexualtrieb kann in vielen Fällen aufgrund persönlicher Faktoren rückläufig sein, aber Pfaus nimmt an, dass die Ursache oft auch eine physiologische ist. Pfaus glaubt, dass diesen Frauen ein Medikament, nämlich PT-141, helfen könnte, das das Gehirn stimuliert und so die Libido steigert. PT-141 imitiert ein Hormon, das bestimmte Rezeptoren im Gehirn bindet und so die sexuelle Aktivität stimuliert. Das Präparat hat sich bereits bei Männern, die nicht auf Viagra reagieren, als wirkungsvoll erwiesen. (Apa/pte)

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