Frauenarbeitslosigkeit steigt weiter

16. Juli 2004, 11:30
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Im Juni wurden 202.787 Jobsuchende registriert, nach 200.918 im Vorjahr - Quote unverändert bei 5,9 Prozent - Mehr arbeitslose Akademiker - mit Infografik

Wien - Die Zahl der Arbeitslosen ist in Österreich im Juni weiter gestiegen. Vor allem Frauen und der Dienstleistungsbereich haben die steigende Arbeitslosigkeit besonders zu spüren bekommen. Ende Juni waren in Österreich 202.787 Menschen arbeitslos gemeldet, um 1.869 oder 0,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (200.918). Dies gab das Wirtschafts- und Arbeitsministerium von Martin Bartenstein (V) Donnerstagnachmittag bekannt. SPÖ, Arbeiterkammer (AK) und ÖGB forderten in einer ersten Reaktion von der Regierung rasch Maßnahmen zur Steigerung der Beschäftigung und Belebung des Wirtschaftswachstums. Die Grünen sehen in der steigenden Arbeitslosenzahl die "Früchte einer Regierungspolitik des Nichtstuns".

Die Arbeitslosenrate nach österreichischer Berechnung lag im Juni nach vorläufigen Zahlen (die Beschäftigtenzahlen stehen noch aus) mit 5,9 Prozent unverändert gegenüber Juni 2003 und leicht unter dem Vormonatswert von 6,3 Prozent. Diese vorläufige Zahlen könnten sich laut AMS noch um ein Zehntel verschieben. Die EU-Quote stand heuer im Juni - ebenso wie im Vormonat und wie seit November 2003 - bei 4,2 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Im Mai hatte die Arbeitslosenzahl 215.495 betragen. Im Mai hat Österreich übrigens gemeinsam mit Zypern und Luxemburg mit 4,2 Prozent die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU verzeichnet.

Weniger Jugendliche arbeitslos

Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkten Frauen stieg im Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,7 Prozent auf 94.156, während die Arbeitslosigkeit der Männer mit minus 0,6 Prozent auf 108.631 rückläufig war. Rückläufig war auch die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen (bis 24 Jahre) mit minus 5,4 Prozent auf 30.673 sowie die Zahl der älteren Arbeitslosen über 50 Jahren mit minus 10 Prozent auf 40.238.

Die Dienstleistungsbranche hat die steigende Arbeitslosigkeit im Juni besonders stark zu spüren bekommen. In den unternehmensbezogenen Dienstleistungen stieg die Arbeitslosigkeit um 5,3 Prozent, den sonstigen Diensten um 8,4 Prozent, im Einzelhandel um 3,7 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen um 7,3 Prozent und im Tourismus um 3,0 Prozent. Im Sekundärsektor ging die Zahl der vorgemerkten Personen gegenüber dem Vorjahreswert zurück, in der Sachgütererzeugung um 3,4 Prozent und im Bauwesen um 2,7 Prozent.

AMS-Schulungen scheinen nicht auf

In der Arbeitslosenstatistik nicht enthalten ist die Zahl der in AMS-Schulungen befindlichen Personen. Die Zahl der Personen in Schulungen ging im Juni um 3,3 Prozent auf 40.171 zurück. 79 Prozent aller Arbeitslosen entfallen auf Personen ohne abgeschlossene Schule sowie Personen mit Pflichtschulabschluss oder Lehrabschluss.

Nach Bundesländern ist die Arbeitslosigkeit in Vorarlberg (plus 5,9 Prozent), Wien (plus 4,5 Prozent), Niederösterreich (plus 2,3 Prozent) und Oberösterreich (plus 1,6 Prozent) über den Bundesdurchschnitt gestiegen, in Tirol etwa im Bundesschnitt um 1 Prozent. Rückläufig war die Arbeitslosigkeit hingegen in der Steiermark (minus 8,5 Prozent), Kärnten (minus 3,4 Prozent), Salzburg (minus 3,0 Prozent) und im Burgenland (minus 1,9 Prozent).

Mehr offene Stellen

Die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen ist per Ende Juni im Vergleich zum Vorjahreswert um 12,8 Prozent auf 26.287 Stellen gestiegen. Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeits-Episode stieg im Juni um 10 Tage auf 111 Tage. Bis zum Jahr 2006 soll die durchschnittliche Verweildauer in Arbeitslosigkeit in Österreich auf 90 Tage verkürzt werden, erinnerte Bartenstein heute an das Regierungsziel. Die Zahl der Lehrstellensuchenden war Ende Juni um 2,2 Prozent auf 3.460 wie in den Vormonaten leicht rückläufig. Die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen gingen um 10,0 Prozent auf 2.272 zurück.

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch hat heute von der Regierung "energische Schritte" gegen die Arbeitslosigkeit und zur Erhöhung der Beschäftigung gefordert. Konkret sollten die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen eine Steuerentlastung in Höhe von mindestens 2 Mrd. Euro bekommen. "Besonders alarmierend" findet Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel die steigende Arbeitslosigkeit bei den Wiedereinsteigerinnen. Daher seien "zusätzliche Mittel für das AMS" notwendig, damit im kommenden Jahr ein Frauenschwerpunkt- und Sonderprogramm für Wiedereinsteigerinnen gestartet werden kann.

SPÖ-Kritik

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures hat die Regierung heute aufgefordert, "rasch wirksame Maßnahmen zur Belebung des Wachstums und für mehr Beschäftigung" zu setzen. Seit Juni 2000 - dem Antrittsjahr der schwarz-blauen Regierung - sei die Arbeitslosigkeit sogar um 30 Prozent gestiegen. SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer forderte Sofortmaßnahmen gegen Frauenarbeitslosigkeit.

Der Klubobmann und Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger, sieht in den steigenden Arbeitslosenzahlen die Früchte einer Regierungspolitik des Nichtstuns. Keine fünf Stunden vor der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen habe Bartenstein dem AMS sowohl benötigte zusätzliche Mittel wie auch benötigtes Personal verweigert. Damit sei Bartenstein "als Arbeitsminister fehl am Platz", so Öllinger. (APA)

  • Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS)
vorgemerkten Frauen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Juni um
2,7 Prozent auf 94.156, während die Arbeitslosigkeit der Männer mit
-0,6 Prozent auf 108.631 rückläufig war.
    foto: ams

    Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkten Frauen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Juni um 2,7 Prozent auf 94.156, während die Arbeitslosigkeit der Männer mit -0,6 Prozent auf 108.631 rückläufig war.

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