Wachstum im Osten

18. Juli 2004, 18:36
1 Posting

WIIW: Je weiter östlich, desto mehr Wachstum - Polen schließt zu "Tigerländern" auf

Wien - In fast allen mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) gibt es deutliche Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs. Der Wachstumsboom zeigt sich in allen Konjunkturindikatoren wie Industrieproduktion, Bautätigkeit oder Außenhandel und ist umso stärker, je weiter man nach Osten geht. "Das ist, wenn man ein paar Jahre zurückblickt, schon eine kleine Sensation", sagte Josef Pöschl vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) am Donnerstag in Wien bei der Präsentation der jüngsten MOEL-Konjunkturprognose.

Bemerkenswert ist, dass sich das bisher als "Sorgenkind" titulierte Polen inzwischen in die Gruppe der "Tigerstaaten" eingereiht hat, die derzeit von der Ukraine mit einem für 2004 erwarteten Wirtschaftswachstum von 9,5 Prozent angeführt wird. Mit einem BIP-Wachstum von 10 Prozent im Gesamtjahr 2004 dürfte Litauen die Ukraine sogar überholen, erwartet Studien-Coautor Pöschl. Stärker als Polen, dessen Wirtschaft heuer um 5 Prozent zulegen dürfte, wachsen auch Weißrussland (+8 Prozent), Lettland (+7,5 Prozent) und Russland (+6,3 Prozent).

"Lemuren"

Auch die Gruppe der von Pöschl als "Lemuren" bezeichneten Staaten wächst deutlich schneller als noch vor einem Jahr. Hier führen die Slowakei und Bulgarien, für die heuer ein BIP-Wachstum von 4,5 Prozent prognostiziert wird, vor Ungarn (+4 Prozent), Slowenien (+3,4 Prozent) und Tschechien (+3,3 Prozent).

Zum Aufschwung in den MOEL habe auch die Konjunkturbelebung in der "alten" EU beigetragen, allerdings sei die Wachstumsbeschleunigung in den MOEL viel ausgeprägter, heißt es in der Studie. Die Wachstumsdifferenz werde auch mittel- und langfristig rund 2 Prozentpunkte ausmachen.

Handelsbilanz-Defizite verringert

Den meisten der neuen EU-Mitglieder sei es überdies gelungen, ihre Handelsbilanz-Defizite zu verringern - allen voran Polen, das die Deckung seiner Importe durch die Exporte von 81 auf 93 Prozent verbessert habe. Eine Sonderstellung nimmt Slowenien ein, dessen Handelsbilanz (Güter und Dienstleistungen) ausgeglichen sei. Deutlich verschlechtert haben sich jedoch die Handelsbilanzen der baltischen Staaten.

Eine starke Unausgewogenheit zeigt sich bei Lettland, dessen Wirtschaft zwar stark wächst, dem es aber trotz einer starken Abwertung seiner Währung nicht gelungen ist, seine Handelsbilanz zu verbessern. Neben Polen hat sich auch Slowenien bisher erfolgreich auf die Abwertung seiner Währung gestützt, allerdings ist es damit im Falle Sloweniens, das am 28. Juni gemeinsam mit Estland und Litauen dem Wechselkursmechanismus (WKM) II beigetreten ist, vorbei. Die anderen Länder seien in der Lage, auch ohne Abwertung ihrer Währung zu leben und ihre Handelsbilanzen zu verbessern, betonen die WIIW-Experten.(APA)

Share if you care.