Indonesien: Umfragen deuten auf Machtwechsel hin

2. Juli 2004, 18:31
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140 Millionen am Montag zu Präsidentenwahl aufgerufen - Ex-General Yudhoyono könnte Amtsinhaberin Megawati Sukarnoputri aus dem Amt drängen - Mit Infografik

Jakarta/Singapur/Wien - Wenn mehr als 140 Millionen Indonesier am kommenden Montag zur Wahl eines neuen Präsidenten und dessen Stellvertreter aufgerufen sind, hat Amtsinhaberin Megawati Sukarnoputri Grund zur Nervosität. Schon bei den Parlamentswahlen im April hatte ihre Indonesische Demokratische Partei (IDP) eine herbe Niederlage einstecken müssen. Nun liegt die Tochter von Republiksgründer Ahmed Sukarno in den Umfragen weit zurück. Ausgerechnet ein früheres Mitglied ihres Kabinetts, Ex-Sicherheitsminister und Drei-Sterne-General Susilo Bambang Yudhoyono, könnte sie aus dem Amt drängen.

Sein Image als ruhiger Führer und seine Versprechen, Arbeitsplätze zu schaffen und gegen die um sich greifende Korruption vorzugehen, haben Yudhoyono populär gemacht. Im März hatte er seinen Posten in der Regierung aufgegeben, um für die Präsidentschaft zu kandidieren. "Wir müssen ein Regierungs- und Verwaltungssystem schaffen, das sauber, nachvollziehbar, transparent und effizient ist", erklärte der 54-jährige am Donnerstag.

Yudhoyono liegt in Umfragen bei 43,5 Prozent

Der Mann mit dem strengen Seitenscheitel ist der Bevölkerung von zahlreichen Fernsehinterviews bekannt, in denen er sich stets staatsmännisch gibt. Laut einer Umfrage der International Foundation for Election Systems (IFES) könnte er 43,5 Prozent der Stimmen erhalten. Im Gegensatz zu Yudhoyono meidet die für ihr Schweigen bekannte Megawati öffentliche Auftritte.

Die asiatische Finanzkrise Ende der neunziger Jahre traf Indonesien hart. Es zweifelt zwar niemand, dass das größte muslimische Land inzwischen zur Ruhe gekommen ist. Dennoch kreiden viele der seit 2001 im Amt befindlichen früheren Hausfrau an, dass sich zu wenig zum Guten gewendet habe. Die Hälfte der 215 Millionen Indonesier muss mit weniger als zwei US-Dollar (1,65 Euro) am Tag auskommen. 40 Millionen sind arbeitslos.

"Mega"

"Mega", wie die Präsidentin überall im Land genannt wird, und ihre Partei hätten nicht gesehen, dass ihr Auftrag im Wandel bestehe, lautet die Analyse des amerikanischen Indonesien-Experten Jefrry Winters. Nach dem Sturz von Diktator Hadji Mohamed Suharto vor sechs Jahren galt Megawati Sukarnoputri als Galionsfigur der Reformbewegung. Noch mehr, als ihr Vorgänger Abdurrahman Wahid, dessen Vizepräsidentin sie war, vor drei Jahren wegen Inkompetenz aus dem Amt gejagt wurde und sie ihm an der Staatsspitze nachfolgte. Am Montag hat die 57-jährige laut IFES lediglich 11,7 Prozent der Stimmen zu erwarten.

Mit prognostizierten 14,2 Prozent noch vor der Amtsinhaberin liegt ein weiterer General: Wiranto. Dem Kandidaten von Golkar, der früheren Einheitspartei von Militärmachthaber Suharto, werden Menschenrechtsverletzungen im damals von Indonesien besetzten, seit zwei Jahren unabhängigen Osttimor, vorgeworfen. Auf Grund eines Haftbefehls, den ein von der UNO unterstütztes Gericht im Mai erlassen hat, kann Wiranto verhaftet werden, sobald er das Land verlässt.

So gut wie chancenlos

So gut wie keine Chancen auf das Präsidentenamt werden Parlamentspräsident Amien Rais (10,9 Prozent) und Vizepräsident Hamzah Haz (2,4 Prozent) eingeräumt. Trotz des großen Vorsprungs Yudhoyonos ist nicht klar, ob er direkt nach den Wahlen am Montag für die kommenden fünf Jahre in den Präsidenten-Palast Merdeka einziehen kann. Dazu müsste er 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.

Die für den Ex-Sicherheitsminister vorhergesagten 43,5 Prozent deuten auf eine Stichwahl zwischen ihm und dem Zweitplatzierten im September hin. Es wird allerdings spekuliert, dass sich eine Mehrheit der mehr als 17 Prozent Unentschlossenen für Yudhoyono entscheiden. Dann könnte er sich eine zweite Wahlrunde ersparen. (APA/dpa/Reuters)

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    Anhänger des Gegenkandidaten des ehemaligen Sicherheitsministers und Drei-Sterne-General Susilo Bambang Yudhoyono.

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