Österreicher sind "Gurtenmuffel"

7. Juli 2004, 09:17
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Jeder vierte heimische Lenker fährt unangeschnallt - auf Rücksitzen sogar jeder zweite Mitfahrer

Wien - Seit zwanzig Jahren gilt in Österreich die allgemeine Gurtenpflicht: Am 1. Juli 1984 wurde das Anschnallen legislativ verankert. In der Realität wird aber oft auf den Lebensretter verzichtet, kritisierte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Jeder vierte heimische Lenker fährt unangeschnallt. Auch im internationalen Vergleich sind die Österreicher "Gurtenmuffel".

Vorbilder:Großbritannien oder Schweden

In Ländern wie Großbritannien oder Schweden liege die Anschnallquote bei über 90 Prozent, auf schwedischen Autobahnen sogar bei 98 Prozent, erklärte das KfV. Gänzlich anders stellt sich die Situation in Österreich dar: Mit dem Start der Gurtenpflicht am 1. Juli 1984 sei die Verwendung des Sicherheitsgurtes innerhalb weniger Monate auf 82,1 Prozent gestiegen. Seither wurde dieser Wert allerdings nie wieder erreicht, kritisierte das Kuratorium.

Anschnallmoral auf den Rücksitzen

Noch schlechter ist die Anschnallmoral auf den Rücksitzen: Nur jeder zweite Österreicher verwendet dort die Sicherheitsgurte. Dies ist vor allem für den Vordermann eine tödliche Gefahr, erklärte KfV- Direktor Othmar Thann: "Bei einem Aufprall wird der nicht angeschnallte Passagier gegen den Vordermann geschleudert und kann somit zum tödlichen Geschoss werden."

Hälfte aller toten Pkw-Insassen war nicht angeschnallt

Der legere Umgang mit der Gurtenpflicht schlägt sich auch auf die Unfallstatistik nieder: Beinahe die Hälfte aller toten Pkw-Insassen war nicht angeschnallt, kritisierte Thann. Die Gefahr, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, sei ohne Anschnallen sieben Mal so hoch. 2003 wurden 241 nicht angeschnallte Pkw-Insassen getötet.

Thann forderte adäquate Mittel gegen Gurtenmuffel. Das KfV verlange seit Jahren eine Verstärkung der Kontrollen. Auch die übliche Strafe von 21 Euro für Gurtensünder scheine "ob der erschreckenden Zahlen geradezu lächerlich".(APA)

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