Alzheimer: Früherkennung ist das größte Problem

7. Juli 2004, 11:32
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Oft wird die Demenz-Krankheit verdrängt. Ein Forum in Rom erstellt jetzt einen Aktionsplan für Betroffene

Rom - 70 Prozent der pflegenden Angehörigen sagen, Frühsymptome bei Alzheimer-Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt zu haben. So lautete das Ergebnis der Studie "Facing Dementia", die am Mittwoch in Rom im Rahmen eines Forums zu dem Thema vorgestellt wurde. Die Verdrängung und die Angst vor der Erkrankung würde demnach wesentlich zur Verzögerung des ersten Arztbesuchs und der Diagnose führen. Um die Betreuung von Demenzkranken zu verbessern, wurde in der italienischen Hauptstadt ein Aktionsplan vorgestellt.

Die pan-europäische Studie, in der mehr als 2.500 Personen, darunter Ärzte, Betroffene und Angehörige aus sechs Ländern befragt wurden, kam außerdem zum Ergebnis, dass 80 Prozent der pflegenden Angehörigen und 71 Prozent der Ärzte glauben, dass die jeweiligen Regierungen zu wenig finanzielle Mittel für die Behandlung von Alzheimer-Patienten zur Verfügung stellen. Österreicher waren nicht unter den Befragten.

Diagnoseprobleme im Frühstadium

Im Schnitt liegen beinahe zwei Jahre zwischen dem Auftreten erster Symptome und der Diagnose der Erkrankungen. "Die Studien-Ergebnisse legen nahe, dass eine signifikante Zahl von Betroffenen gerade im Frühstadium der Krankheit, wenn Behandlung und Betreuung am wirksamsten sind, kein Arzt aufgesucht wird", meinte der Vorsitzende des Forums, Dr. David Wilkinson, ein Spezialist für Demenzkrankheiten aus Großbritannien. Detail am Rande: 70 Prozent der befragten Ärzte gaben etwa an, dass selbst Allgemeinmediziner Schwierigkeiten beim Erkennen von Alzheimer im Frühstadium haben.

"Vernichtende Pflege"

Weitere Ergebnisse: So meinten 93 Prozent der Befragten, dass die Alzheimer-Erkrankung verheerende Auswirkung auf die Familien der Patienten haben. 94 Prozent gaben an, dass die Pflege eines erkrankten Familienmitglieds das Leben einschneidend verändert.

66 Prozent empfinden gar, dass die Pflege "vernichtend für die eigene Seele" sei. "Für jeden Demenz-Betroffenen muss zumindest ein weiteres Familienmitglied den psychologischen, emotionalen, sozialen und wirtschaftlichen Tribut der Krankheit zahlen", sagte Elizabeth Rimmer, Executive Director der Dachorganisation der weltweiten Alzheimer-Gesellschaften "Alzheimer´s Disease International (ADI)".

Um die Behandlung und die Betreuung von Erkrankten zu verbessern, wurde in Arbeitsgruppen der mehr als 150 Delegierten, darunter Experten, Familienmitglieder und Erkrankte, der Aktionsplan "Agenda for Change" erstellt. Dieser sieht eine breite Aufklärung über die Frühsymptome der Demenz, die Verkürzung der Zeitspanne zwischen Erkennen der Frühsymptome und dem Behandlungsbeginn, und der Bereitstellung ausreichender Mittel vor. (APA)

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    Eine Kartierung von Gehirnarealen durch Magnet Resonanz Imaging (MRI) zeigt die Dynamik des Krankheitsverlaufs. Die blau eingefärbten Regionen zeigen vermeintlich gesunde Stellen, die rot eingefärbten repräsentieren solche mit Gewebeschwund von 10 Prozent, weiß eingefärbte einen Gewebeschwund von 20 Prozent der Masse der jeweiligen Region.

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