Bartgeier kehrten in die Alpen zurück

6. Juli 2004, 10:58
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Seit über 100 Jahren sind sie verschwunden - in Tirol wurden nun wieder zwei junge Tiere freigelassen - Bruterfolge in Frankreich und Italien

Salzburg - Die Wiederansiedlung von Bartgeiern in den europäischen Alpen ist geglückt. Allein heuer konnten in den französischen und italienischen Alpen fünf Jungtiere durch frei lebende Bartgeierpaare großgezogen werden, freute sich Hans Frey, der wissenschaftliche Leiter des internationalen Wiederansiedlungsprojektes. Zwei Nestlinge werden diese Woche in Kals am Großglockner im Tiroler Anteil des Nationalparks Hohe Tauern in die Freiheit entlassen.

Wieder-Ansiedlung seit 1986

In Österreich wurden 1986 die ersten Bartgeier wieder in freier Natur angesiedelt. Der Nationalpark Hohe Tauern, der WWF Österreich, die Veterinärmedizinische Universität Wien, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und der Verein Eulen- und Greifvogelschutz Österreich arbeiten bei diesem Projekt zusammen. Österreich ist dabei Teil einer alpenweiten Initiative zur Wiederansiedlung der Bartgeier in den Alpen.

Nestlinge

Das Prinzip wurde schon 1978 bei der Gründung des internationalen Projektes in Morges am Genfer See vereinbart: Die Jungtiere schlüpfen in Zoos. Im Alter von etwa drei Monaten werden sie noch als so genannte Nestlinge in die Freiheit entlassen. Dabei setzt man die Tiere, die noch nicht fliegen können, in einen künstlichen Horst und füttert sie verdeckt. Nach etwa einem Monat starten die jungen Bartgeier dann ihre ersten Flugversuche und lernen instinktiv, sich selbst ihre Nahrung zu suchen.

Selbstständige Population

Ziel war es immer, eine selbstständige Population aufzubauen und sie "dem vollen Selektionsprozess" in den Alpen auszusetzen. "Es funktioniert sehr gut", berichtete Frey. Die Bartgeier aus den Zuchtprogrammen werden zu vollwertigen Wildvögeln. Bisher wurden im Rahmen der alpenweiten Wiederansiedlung rund 130 Bartgeier ausgesetzt. Davon können im Rahmen des laufenden Monitorings 83 Tiere sicher nachgewiesen werden. Rund zehn bis 15 Tiere werden zusätzlich in den Alpen als "Dunkelziffer" vermutet, erläuterte Frey.

Früher war man fast ausschließlich auf Beobachtungen angewiesen. Mittlerweile kann die Identität der Bartgeier mittels "genetischer Fingerabdrücke" ermittelt werden. Es genügt eine verlorene Feder, um zu wissen, welches Tier in einem bestimmten Gebiet seinen Lebensraum gefunden hat. Von jedem freigelassenen Bartgeier ist in den Forschungslabors eine Blutprobe vorhanden.

Erfolglose Brutversuche

Während in anderen Teilen der Alpen die Bartgeier-Paare auch schon für natürlichen Nachwuchs sorgen, blieben die Kinderstuben in den österreichischen Alpen bisher noch leer. "Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es auch in Österreich klappt", sagt Frey. Immerhin hat es schon einige - erfolglose - Brutversuche gegeben. Heuer hatte ein Bartgeier-Paar im Salzburger Gasteinertal in einer Schlucht einen Horst gebaut.

Seit mehr als 100 Jahren verschwunden

Die Bartgeier galten seit mehr als 100 Jahren als aus den Alpen verschwunden, erläuterte Frey. Durch die Mitarbeit von Zoos in ganz Europa konnte das Projekt zur Erhaltung der Artenvielfalt realisiert werden. Die Bartgeier haben ihren Namen von borstenartigen Federn, die dem Vogel über den Schnabel hängen. Wenn der Vogel aufgeregt ist, leuchtet ein auffällig roter Ring um seine Augen. Flügel und Schwanz sind dunkel, Kopf und Brust rötlich gefärbt. Die erwachsenen Tiere erreichen eine Flügelspannweite von 2,7 Metern. Die Bartgeier ernähren sich von Knochen von Kadavern. Mit größeren Knochen fliegen die Tiere in eine Höhe von 50 bis 80 Metern und lassen sie gezielt auf Felsen fallen, damit sie in schnabelgerechte Stücke zerbersten.

"Das Ziel, im Alpenraum eine selbstständige Population zu schaffen, ist erreicht", sagte Frey. Trotzdem werden auch in Hinkunft im Zoo nachgezüchtete Jungtiere im Rahmen des Projektes in die Freiheit entlassen werden. So könne man die Population rascher aufbauen, erläuterte der Wissenschafter. (APA)

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    Bartgeier waren seit hundert Jahren nahezu verschwunden

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