Angehörige von Srebrenica-Opfern wollen Niederlande verklagen

2. Juli 2004, 13:05
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Bosnisches Anwaltsteam fordert 600 Millionen US-Dollar Schadensersatz für Nichteingreifen der Blauhelme beim Massaker von 1995

Sarajewo/Den Haag - Ein bosnisches Anwaltsteam will heute der niederländischen Regierung einen Antrag auf Schadensersatz für die Angehörigen der Opfer des Massakers von Srebrenica überreichen. Das von Semir Guzin geleitete Team wirft der Regierung in Den Haag vor, den Mord an mindestens 7000 Männern und Jugendlichen durch Truppen des wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic im Juli 1995 nicht gestoppt zu haben.

In der damaligen UNO-Schutzzone Srebrenica waren zu dem Zeitpunkt niederländische Blauhelmsoldaten stationiert, die das Versprechen der Weltorganisation, die Zivilisten zu schützen, jedoch nicht einhielten.

Keine genauen Forderungen veröffentlicht

Der bosnische Anwalt Guzin wollte die Forderung der Angehörigen der Opfer bei seinem Abflug nach Den Haag Anfang dieser Woche nicht genau beziffern, hatte im vergangenen Jahr jedoch eine Summe von rund 600 Millionen US-Dollar genannt. Sollte die niederländische Regierung nicht auf das außergerichtliche Schlichtungsangebot eingehen, drohte er damit, sechs Wochen später eine Klage vor einem niederländischen Gericht einzureichen.

"Genozid" fehlt im Abschlussbericht

Begleitet auf seiner Reise in die Niederlande wird Guzin von rund 50 Mitgliedern der Assoziation "Frauen von Srebrenica und Zepa", die seit Jahren die Angehörigen der Opfer in den beiden ostbosnischen Städten vertritt. Die Vorsitzende der Vereinigung, Munira Subasic, übte vor der Abreise scharfe Kritik an dem Mitte Juni veröffentlichten Srebrenica-Bericht der bosnisch-serbischen Regierung in Banja Luka. "Ohne die Erwähnung des Begriffs 'Genozid' ist der Bericht für uns nutzlos", sagte sie.

In der auf Druck der internationalen Protektoratsbehörde des Hohen Repräsentanten veröffentlichten Untersuchung wird erstmals die Schuld bosnisch-serbischer Behörden an dem größten Massenmord in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges eingeräumt. Vorige Woche bezeichnete zudem der Präsident der Republika Srpska (RS), Dragan Cavic, Srebrenica als "schwarzes Kapitel" der serbischen Geschichte.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der bosnische Menschenrechtsgerichtshof die RS-Regierung in Banja Luka zur Zahlung von umgerechnet rund zwei Millionen Euro verurteilt, die zum Bau eines Friedhofs und einer Gedenkstätte nahe des früheren UNO-Hauptquartiers in der Schutzzone verwendet werden müssen. (APA)

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