Die Banker auf dem heißen Wellblechdach

18. Juli 2004, 18:24
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Die Raiffeisen Centrobank (RCB) hat heuer bereits 500 Millionen Euro an Zertifikaten emittiert - Ein Markt, der sich laut RCB-Chef Gerhard Vogt "wie ein Wellblech rauf- und runter- entwickeln" wird

Wien - Die EU-Kapitalertragssteuer und die künftig geltenden europäischen Informationspflichten über Zinserträge im Ausland sind der Wiener Raiffeisen Centrobank (RCB) Anlass, neue Produkte zu entwerfen: "Wir wollen legale Möglichkeiten entwickeln, mit denen man die EU-Quellensteuer vermeiden kann, ohne dass man Steuergesetze übertritt", erklärte Gerhard Vogt, RCB-Vorstandsvorsitzender am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Das Problem dabei sieht der Chef der Investmentbank des Raiffeisensektors (die RCB gehört zu 100 Prozent der Raiffeisen Zentralbank) freilich auch ganz klar: "Solche Steuerschlupflöcher werden meist schnell gestopft."

Spezialistin für Zertifikate

Die RCB - sie hat ihren Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich Wertpapierhandel, Kapitalmarktfinanzierungen, Unternehmensresearch und Private Equity, ist Spezialistin für Zertifikate - begleitet auch immer wieder österreichische Unternehmen an die Börse.

Derzeit sei man mit drei Unternehmen im Gespräch, "die noch heuer kommen wollen", so Vogt, der aber keine Details zu den Emissionen preisgeben will. Von der Wiener Börse, in deren Aufsichtsrat Vogt vor kurzem eingezogen ist, spricht er nur in den höchsten Tönen: "Die Wiener Börse ist exzellent, seriös und transparent."

Die RCB selbst hält dort mit ihren Geschäften einen 30-prozentigen Marktanteil, ist aber vor allem auch im Osten "sehr rege", wie es Vogt ausdrückt. Vor allem das Geschäft mit Zertifikaten (das sind börsennotierte, von Geldinstituten ausgegebene Papiere, bei denen die Anleger an der Entwicklung der zugrunde liegenden Basiswerte partizipieren) läuft wie am Schnürchen: Allein heuer hat die RCB bereits ein Volumen von 500 Mio. Euro emittiert, insgesamt beträgt der Wert der verwalteten Gelder rund drei Mrd. Euro.

Vogts Zukunftsprognose: "Der Markt für Zertifikate wird sich wie ein Wellblech entwickeln: einmal rauf, einmal runter." Und: "Die Zinsentwicklungen werden den Markt nicht sehr beeinflussen."

Zinsen sind egal

Den weltweiten Zinsniveaus misst der RCB-Manager überhaupt erstaunlich wenig Bedeutung zu. "Ob der Marktzinssatz in den USA nun einen oder 1,5 Prozent beträgt, hat doch keine Auswirkung darauf, ob ein Unternehmer eine Fabrik baut oder nicht. Keiner richtet sich danach. Tiefe Zinssätze nützen nur Leuten, die auf Pump Aktien kaufen und kurzfristig Geld brauchen, und sie fördern die Staatsverschuldung. Zinssätze von vier bis fünf Prozent wären viel besser für die Sparer und die Unternehmen."

Eine ebenso pointierte Meinung vertritt Österreichs längstgedienter Bankgeneraldirektor in Zusammenhang mit der am Wochenende von den Notenbankchefs der führenden Industriestaaten erfolgten Billigung der neuen Kreditrichtlinien für Banken (Basel II): "Die neuen Regeln gehen davon aus, dass vom Vorstand bis zum Portier jeder ein Verbrecher ist, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Die bürokratischen Lasten, die die Banken tragen müssen, sind enorm. " Sein schwacher Trost: "Gott sei Dank haben dieses Problem alle Banken." (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 01.07.2004)

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