Israel verstärkt Militärrazzien im Westjordanland

2. Juli 2004, 16:27
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Panzervorstoß in Jericho - Neunjähriger Palästinenser getötet - Hamas-Mitglied im Gaza-Streifen getötet

Jericho/Gaza - Die israelische Armee hat am Donnerstag ihre Razzien im Westjordanland intensiviert. Panzer stießen am Morgen in die palästinensische Autonomiestadt Jericho ein, über die eine Ausgangssperre verhängt wurde. In mehreren Stadtvierteln kam es zu Schießereien. Kampfhubschrauber begleiteten den Einsatz. Rund 20 Palästinenser wurden festgenommen. Auch in der Stadt Nablus im Norden des Westjordanlandes durchsuchten israelische Soldaten in einer groß angelegten Razzia zahlreiche Häuser nach palästinensischen Aktivisten. Im südlichen Gaza-Streifen erschossen israelische Soldaten einen neunjährigen Palästinenser.

Im Norden des Gaza-Streifens töteten israelische Soldaten in der Nacht ein Mitglied der radikalen Organisation Hamas. Bulldozer zerstörten in der Nähe von Beit Hanun laut Medienberichten Olivenhaine. Militante Palästinenser sollen von dort aus Kassam-Raketen auf israelische Ziele abgefeuert haben.

Haus gesprengt

In Jericho sprengten israelische Soldaten ein Haus in die Luft, das einem Mitglied der Fatah-Bewegung von Präsident Yasser Arafat gehört haben soll. Der Mann sei festgenommen worden. In der vergangenen Woche hatten israelische Einheiten in der Altstadt von Nablus einen Anführer der Fatah-Splittergruppe "Al-Aksa-Märtyrerbrigaden" getötet.

Nach seinem Besuch in Palästina hat Frankreichs Außenminister Michel Barnier erklärt, dass er "in einigen Wochen" auch nach Israel fahren werde. "Ich werde in einigen Wochen Israel einen bilateralen Besuch abstatten", betonte Barnier am Donnerstag im Pariser Radiosender RTL. Sein jüngster Besuch in Palästina war von der israelischen Regierung unter Premier Ariel Sharon, die den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat seit Dezember 2001 in Ramallah isoliert, heftig kritisiert worden.

Treffen Arafat-Barnier

Zu seinem Treffen mit Arafat sagte Barnier im Radiosender: "Ich habe einen Mann vorgefunden, der unweigerlich leidet unter der Situation, in die man ihn versetzt hat". Diese Lage sei "nicht würdig für den anerkannten und legitimen Chef der Palästinenser", fügte der Chef der französischen Diplomatie hinzu. Ein Abkommen zwischen Israel und Palästina sei ohne Arafat nicht möglich, "und noch weniger gegen ihn", sagte Barnier. Während seines Besuchs in Ramallah hat Barnier die palästinensischen Behörden ebenfalls zu Reformen aufgerufen, insbesondere im Bereich der Sicherheit.

Bereits Barniers Amtsvorgänger Dominique de Villepin sowie weitere EU-Minister und der neuseeländische Außenminister Phil Goff hatten es abgelehnt, sich von Israel eine Begegnung mit Arafat "verbieten" zu lassen. Sie hatten es daraufhin vorgezogen, auf eine Zusammenkunft mit dem israelischen Premier Ariel Sharon zu verzichten. (APA/dpa)

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