Nordzypern fordert Anerkennung der EU

9. Juli 2004, 16:51
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Vizepremier Denktas: "Einzige Chance" nach Ablehnung des UNO-Plans durch Zypern-Griechen

Wien - Serdar Denktas, Vize-Premier der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern (KKTC), hat die staatliche Anerkennung des seit 1974 von der Türkei besetzten Territoriums durch die EU gefordert. Nach der Ablehnung des UNO-Plans zur Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel durch die griechischen Zyprioten sei die "einzige Chance", "beide Insel-Teile als Republiken anzuerkennen und mit einer gemeinsamen Repräsentanz in der EU auszustatten", erklärte Denktas in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier" (Donnerstagsausgabe).

"Leider haben die griechischen Zyprioten den Annan-Plan abgelehnt, während die türkische Inselbevölkerung diesem mehrheitlich zustimmte. Was bleibt, ist Frustration", so der Chef der Demokratischen Partei und Sohn des türkisch-zypriotischen Volksgruppenführers Rauf Denktas. Der Süden der Insel sei mittlerweile EU-Vollmitglied und im Norden müssten 200.000 Menschen gegen ihren Willen isoliert vom Rest der Welt leben. "Bis heute zwingt uns das Embargo, Telefonate über Ankara zu führen. Und wollen wir ins Ausland fliegen, geht das auch nur über die Türkei", klagte Denktas.

Die EU müsse danach trachten, Zypern zu einen. "Nicht allein, um den Konflikt zu lösen - ich habe keine Angst davor, dass sich Türken und Griechen auf Zypern künftig wieder umbringen werden", betonte Denktas. Die Einigung sei vor allem aus wirtschaftlichen Gründen notwendig. "Wir Türken leiden unter dem Embargo und die Griechen unter der Tatsache, dass der Norden nicht die Spielregeln der EU befolgen muss". Denn derzeit seien zwar alle Produkte, die in den Häfen Nordzyperns landen, innerhalb des EU-Territoriums - sie müssten sich aber deren Richtlinien nicht unterwerfen. "Das ist ein herber Nachteil für die Griechen, und diesbezüglich wird Zypern der EU noch Kopfzerbrechen bereiten", warnte Denktas. (APA)

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