"Dann bauen wir nur noch Parkplätze"

1. Juli 2004, 22:39
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Eiszeit und zwischen Grazer Altstadtkommission und Bauträgern wegen Baulücke - trotz negativem Gutachten wurde Kommod-Haus abgerissen

Graz - Während der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) in den vergangenen Wochen damit beschäftigt war, den Hauptplatz von Punks frei zu halten, sorgen sich Denkmalschützer ernsthaft um die historische Substanz der Landeshauptstadt. Gerade die Rolle des Bürgermeisters ist dabei umstritten.

Wettbewerb für Baulücke

Das Kommod-Haus aus dem Biedermeier wurde im Herbst trotz negativem Gutachten der Altstadt-Sachverständigenkommission (ASVK) abgerissen. Nagl ging auf Tauchstation. Ein Wettbewerb soll nun entscheiden, was in der Baulücke entstehen wird, die bis dahin als Parkplatz dient.

Weiteres Streitobjekt

Auch ein anderes Projekt, jenes auf einem ehemaligen Grundstück Nagls in der Griesgasse, erregt derzeit die Gemüter: Nagl hatte versichert, dass ohne die Zustimmung der ASVK nicht gebaut werde. Nun liegt ein negatives Gutachten der ASVK vor, in dem kritisiert wird, dass in der feingliedrigen, barocken Bebauung im Herzen der Altstadt ein überdimensioniertes Gebäude errichtet werden soll. Am Mittwoch hieß es dazu aus dem Büro Nagl: "Dem Bürgermeister gehört das Objekt nicht mehr."

Die Klubchefin der Grazer Grünen, Sigi Binder, kritisierte diesen "Rückzieher" scharf: "Nagl hat seine Entscheidungsmacht an den Bauträger abgeschoben, damit die Altstadt weiter von einer Baulobby ausgehöhlt werden kann".

Der Leiter des umstrittenen Projektes, Gerald Gollenz vom Bauträger Acoton, fuhr indes im Gespräch mit dem STANDARD harte Geschütze auf: "Wenn die Altstadtkommission glaubt, sich vor irgendeinen politischen Zug spannen lassen zu müssen, dann bauen wir halt nur mehr überall Parkplätze". Dem Architekten und Mitglied der Kommission, Volker Giencke warf Gollenz vor, dass er nur neidisch sei, weil er den Auftrag nicht selbst bekommen habe, außerdem richtete er Giencke wütend aus: "Ich sitze am längeren Ast!" Giencke überlegt rechtliche Schritte wegen Rufschädigung. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 1.7.2004)

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