Staatsanwaltschaft fordert hohe Strafen im Mannesmann-Prozess

15. Juli 2004, 17:00
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Die Staatsanwaltschaft beantragte Gefängnisstrafen für frühere Mannesmann-Manager und Bewährungsstrafen für den Deutsche-Bank-Chef sowie den früheren IG-Metall-Boss

Für Staatsanwalt Lothar Schroeter ist die Sache klar: "Wir haben den Nachweis erbracht, dass sich die Angeklagten in allen Anklagepunkten strafbar gemacht haben." Er beantragte deshalb am Mittwoch Gefängnisstrafen für die früheren Mannesmann-Manager Klaus Esser und Joachim Funk sowie Bewährungsstrafen für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und den früheren IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel.

Die Anträge im Einzelnen: Für Deutschlands mächtigsten Banker Josef Ackermann verlangten die Staatsanwälte im spektakulärsten deutschen Wirtschaftsprozess wegen Untreue im besonders schweren Fall eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden soll.

Für den früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Funk verlangten sie wegen des gleichen Delikts eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Ex-Mannesmann-Chef Esser soll für zwei Jahren und sechs Monate hinter Gitter.

Bewährungsstrafen

Gewerkschaftschef Zwickel soll nach dem Willen der Anklage eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten erhalten. Für den früheren Mannesmann-Gesamtbetriebsrat, Jürgen Ladberg, und den nur der Beihilfe zur Untreue beschuldigten Mannesmann-Mitarbeiter Dietmar Droste forderten die Staatsanwälte jeweils eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

In ihrem Plädoyer gingen die Staatsanwälte scharf mit Ackermann ins Gericht. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Mannesmann habe der Manager ein hohes Maß an Pflichtwidrigkeit an den Tag gelegt. Er habe die Millionenprämien für Esser und Funk vor der Übernahme durch den Konkurrenten Vodafone ohne Überprüfung abgenickt. Strafmildernd sei allerdings zu werten, dass der Banker extrem unter der Belastung des öffentlichen Strafverfahrens gelitten habe.

Harsch urteilten die Staatsanwälte über den Ex-Mannesmann-Chef Esser. Der Manager, der selbst eine Anerkennungsprämie von 15,9 Millionen Euro erhielt, sei die Schlüsselfigur bei einer unrechtmäßigen Verschleuderung von Mannesmann-Vermögen gewesen. Der Gesamtschaden für Mannesmann summiere sich auf mindestens 27 Millionen Euro.

Ehemaliger Aufsichtsratschefs unter Druck

Am schwersten wiegen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft die Taten des früheren Mannesmann-Aufsichtsratschefs Funk, der Abfertigungen in Höhe von 5,8 Millionen Euro kassierte. Er habe sich mehrmals selbst begünstigt, so die Ankläger. Ex-IG-Metall-Chef Zwickel und die anderen Angeklagten hätten durch Abnicken der Zahlungen ebenfalls ihre Pflichten verletzt.

Ende Juli wird ein Urteil in dem Prozess, der seit 21. Jänner läuft, erwartet. Die Angeklagten machen sich Hoffnungen auf Freisprüche, die das Gericht indirekt in Aussicht gestellt hatte. (DER STANDARD Printausgabe, 01.07.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
  • Für den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, fordert der Staatsanwalt zwei Jahre auf Bewährung.
    foto: epa

    Für den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, fordert der Staatsanwalt zwei Jahre auf Bewährung.

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