Feilschen um Postbus geht weiter

8. Juli 2004, 15:44
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Kleinere Staus und weitere Verhandlungen über Arbeitsplatzgarantien für die überzähligen Mitarbeiter: Das ist das Ergebnis der Postbus-Betriebs-versammlungen

Wien - Die Protestversammlungen der Postbus-Mitarbeiter gegen die Teilprivatisierung sind Mittwochfrüh mit dem üblichen politischen Getöse, aber ohne das befürchtete Verkehrschaos über die Bühne gegangen. Infrastrukturminister Hubert Gorbach und Regierungsvertreter verurteilten die Veranstaltungen, die Opposition zeigte Verständnis.

Die Fahrgäste weniger - Tausende Pendler und Schüler mussten sich alternative fahrende Untersätze organisieren.

30-prozentiger Teilverkauf

Der Protest richtet sich, wie berichtet, gegen den 30-prozentigen Teilverkauf des nun auch operativ zusammengelegten "Bahnpostbusses". Seit heute, Donnerstag, fahren die beiden staatlichen Linienbusgesellschaften nämlich tatsächlich unter Postbus-Flagge, inklusive Fahrkartenverrechnung.

Dass die Teilprivatisierung - der Verkaufsprozess läuft, rund 130 Interessenten sollen sich für die 32 Bahnpostbus-Pakete gemeldet haben - doch noch abgeblasen wird, gilt als völlig ausgeschlossen. Vernünftigen Lösungen zum Wohl der betroffenen Mitarbeiter werde man sich aber nicht verschließen, hieß es in Verhandlungskreisen.

Vorstellbar seien etwa Arbeitsplatzgarantien für die 450 bis 600 überzähligen Mitarbeiter - über die genaue Zahl herrscht Uneinigkeit. Oder Leasingmodelle, bei denen die überwiegend beamteten Mitarbeiter auf der Payroll der ÖBB-Tochter blieben, ihre Tätigkeit aber beim privaten Busbetrieb ausübten.

Was die Eisenbahner besonders wurmt, ist der Umstand, dass beim Postbus laufend neues Personal eingestellt werde, obwohl es beim Bahnbus jede Menge Überkapazitäten gebe. Offenbar wolle man die ÖBB- und Postbus-Mitarbeiter bewusst ausbremsen, sonst würde man interne Ausschreibungen durchführen.

"Verleumdung der Sonderklasse"

"Eine Verleumdung der Sonderklasse", schäumt Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann. Sie habe selbstverständlich intern ausgeschrieben, es habe sich aber niemand gemeldet.

Dass der Widerstand demnächst mit einem Streik fortgesetzt werden könnte, ist ausgeschlossen. Erstens gibt es keinen Streikbeschluss, und zweitens soll über den Sommer nach Lösungen gesucht werden. Dann sollte auch endlich feststehen, welche Busfirmen an welchen Bahnpostbus-Teilen tatsächlich interessiert sind.

Derzeit wisse man nämlich nicht einmal das, kritisierte Ludwig Richard (Dr. Richard). Er ist einer jener 25 Busunternehmer, die gern ein Stück vom Postbus hätten.

Der ÖGB hat die Regierung aufgefordert, von ihren "neoliberalen Plänen Abstand zu nehmen". Denn bei diesen stünde der Wettbewerbsvorteil der privaten Busunternehmen im Vordergrund, nicht die Versorgungssicherheit, sagte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. (ung, APA/DER STANDARD Printausgabe, 01.07.2004)

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    Proteste auf Wienerisch: gemütliche Betriebsversammlungen wie hier im Postbus-Zentrum in Wien-Erdberg.

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