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Breillat schildert die Annäherung zwischen einer Mittdreißigerin und einem Teenager.
Foto: Archiv
Catherine Breillat, französische Autorin und Regisseurin, hat die Beziehung zwischen Männern und Frauen stets zuallererst über die Sexualität definiert und Letztere dabei als Kampfzone entworfen, in der das individuelle Begehren der mächtigeren Ordnung des Symbolischen unterliegt.

In "Brève traversée", einer 2001 zwischen den großen Kinofilmen ("A ma soeur" und "Sex Is Comedy") entstandenen, vom Fernsehen koproduzierten Arbeit, ist diese Beziehung nun räumlich und zeitlich begrenzt und die Konstellation zwischen den Geschlechtern quasi umgekehrt:

Auf einer Fähre, auf der Überfahrt von Frankreich nach Großbritannien, begegnen einander ein französischer Teenager (Gilles Guillain) und eine Britin Mitte dreißig (Sarah Pratt). Nach anfänglicher Zurückhaltung kommt schnell ein Spiel aus Zurückweisung und Verführung in Gang.

Ein anderes, weit weniger berücksichtigtes Charakteristikum von Breillats Filmen ist die Genauigkeit, mit der die Regisseurin ihre Settings konstruiert. Zumal wenn es sich dabei um öffentliche (Vergnügungs-)Räume handelt wie Hotels, Tanzlokale oder Campingplätze, die in früheren Arbeiten regelmäßig als Schauplätze fungierten.

Auch "Brève traversée" entwickelt nicht zuletzt ein Gespür fürs Ambiente, das sich aufs Publikum überträgt. Die riesige Fähre ist eine Art schwimmende Shoppingmall. Mit der zunehmend intimeren Beziehung der ungleichen ProtagonistInnen reduziert sich allmählich auch ihr Handlungsraum. Und der Landgang organisiert schließlich die Verhältnisse neu ... (D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 1.7. 2004)