Haider schlägt H.C. Strache als Partei-Vize vor

2. Juli 2004, 17:25
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Kärntner Landeshauptmann im STANDARD-Interview: "Stadler repräsentiert sicher nicht den nationalen Flügel"

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider meint, dass die FPÖ am erfolgreichsten ist, wenn sie regiert - und empfiehlt im Gespräch mit Elisabeth Steiner den Wiener Strache als Partei-Vize.

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STANDARD: Ist jetzt in der FPÖ der offene Machtkampf ausgebrochen?

Haider: Nein, niemand stellt hier die grundsätzliche Linie der FPÖ in Frage. Hier geht es um die Frage, wer ist aller in der Zukunft im Team. Und da herrscht vor einem Parteitag immer ein bisserl ein Gedränge. Das ist doch ein Zeichen, dass die Partei lebt.

STANDARD: Volksanwalt Ewald Stadler will aber einen radikalen Richtungswechsel. Die FPÖ solle dem Regierungspartner ÖVP für deren Verrat an den wertkonservativen FPÖ-Wählern einen Niedergang ähnlich der italienischen Democrazia Christiana bescheren.

Haider: Ich sehe keine Ansatzpunkte für eine derartige Kritik. Ich glaube, dass die Parteilinie eher in Richtung Zukunftsperspektive geändert werden muss. Die FPÖ ist in der Regierung der positive Geist. Ohne uns gibt’s das Kindergeld nicht, oder etwa die milliardenschwere Steuersenkung, die vor allem Familien und Kleinverdiener begünstigen wird. Die wertkonservative Wählerschaft findet sich ja gerade in diesen Bereichen massiv wieder. Was ich vermisse, ist dass die Funktionäre das auch draußen nachvollziehen.

STANDARD: Also nur ein parteiinternes Kommunikationsproblem?

Haider: So ist es. Manche haben eben noch nicht gelernt, die Freude über die Regierungsbeteiligung zu verkraften. Das Kärntner Beispiel zeigt, hier wo wir eine traditionelle Regierungspartei sind, feiern wir unsere größten Wahlerfolge. Die FPÖ ist am erfolgreichsten, wenn sie regiert.

STANDARD: Der nationale und wertkonservative Flügel um Stadler und Andreas Mölzer will aber raus aus der Regierung?

Haider: Wenn jemand eine Regierung verlässt, weil die FPÖ zu viele Vorhaben durchgebracht hat, dann muss man nachdenken, ob es die, die das wollen, noch in der Realität leben. Das Problem ist, dass durch parteiinterne Diskussionen und regionale Misserfolge die positive Regierungsarbeit überdeckt wird.

STANDARD: Wenn Stadler stellvertretender Parteichef wird, bedeutet das doch eine Schwächung von Parteichefin Ursula Haubner?

Haider: Die Delegierten am Parteitag werden sich die Positionen genau anhören.

STANDARD: Werden Sie sich zu Wort melden?

Haider: An sich hab ich das nicht vor.

STANDARD: Jörg’s Fanklub fühlt sich von Ihnen verraten, weil sie die Rückkehr an die Parteispitze abgelehnt haben.

Haider: Das brauchen sie nicht. Ich bin 15 Jahre für sie gelaufen, damit sie alle in wichtige Funktionen gekommen sind. Ich bin kein politisches perpetuum mobile, das immer dann in Betrieb gesetzt wird, wenn Funktionen gefährdet sind. Das Beispiel Kärnten, wo wir viel geleistet haben, müsste am Parteitag eigentlich das Signal sein. Wenn man regiert, darf man keine flatterhaften Nerven haben.

STANDARD: Würden Sie gegen den Proponenten des nationalen Flügels Stadler in den Ring steigen, sollte er den Führungsanspruch stellen?

Haider: Der Herr Stadler repräsentiert sicher nicht den nationalen Flügel, weil er eher ein wertkonservativer Katholischer ist, der mit dem klassischen nationalen Denken der FPÖ wenig anfangen kann. National ist etwa ein Dieter Böhmdorfer oder der Herbert Haupt oder der Jörg Haider. Wir lassen uns das sicher nicht von irgendjemandem wegnehmen. Es wäre sinnvoller, im Zuge der jetzigen Weichenstellung der neuen Parteichefin darüber zu diskutierten, ob nicht der junge Heinz-Christian Strache Stellvertreter werden soll. Er hat in Wien Wahlen zu schlagen und hat alle Chancen, gut zu reussieren, während Stadlers Einfluss in Niederösterreichs nichts bewirkt hat.

STANDARD: Zieht sich Jörg Haider damit endgültig aufs Altenteil zurück?

Haider: Ich bin jetzt seit 1976 in der Politik. Da kann man nicht mehr sagen, dass man taufrisch ist. Das gilt auch für meine Mitstreiter wie den Ewald Stadler. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir neben der Verbreiterung der Partei auch eine entsprechende Verjüngung machen müssen.

STANDARD: Warum wollten Sie nicht mehr zurück an die Parteispitze?

Haider: Weil ich immer gesagt habe, es gibt den Vorrang für Kärnten. Darüber habe ich niemanden in Zweifel gelassen. Solange ich Landeshauptmann bin, kehre ich definitiv nicht mehr an die Parteispitze zurück. Wir haben mit der Ursula wirklich eine gute Alternative. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2004)

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    Haider und sein Wunschkandidat für den Partei-Vizeposten

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    Haider wünscht sich Strache (rechts) als Vize-Parteiobmann, Stadler (links) ist für den Kärntner Landeshauptmann kein Nationaler

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