Britische Virgin Mobile soll Ende Juli an die Börse kommen

7. Juli 2004, 10:44
posten

Streit mit T-Mobile blockierte bisher Börsengang

Der wachstumsstarke britische Mobilfunkdienstleister Virgin Mobile soll bis Ende Juli an die Börse in London gehen. Die Aktien würden institutionellen Investoren in Großbritannien und im Ausland angeboten, teilte das zum weltweiten Firmenimperium des Geschäftsmannes und Abenteurers Richard Branson gehörende Unternehmen am Mittwoch mit.

Unternehmenswert

In mit der geplanten Emission vertrauten Kreisen hieß es, der Unternehmenswert liege bei rund 1,3 Mrd. Pfund (umgerechnet 1,95 Mrd. Euro), wovon 300 Mio. Pfund Schulden seien. Ziel sei es, mit der Platzierung von rund 40 Prozent des Kapitals mindestens 250 Mio. Pfund zu erlösen.

Der Emissionserlös soll der Holding Virgin Group und damit anderen Geschäftsfelder des Konzerns zufließen. Der Virgin-Konzern umfasst rund 200 Firmen - darunter ein Musiklabel und mehrere Fluggesellschaften, einige davon börsennotiert. Im kommenden Jahr will Virgin in den USA mit einer Billig-Fluglinie starten. Die Virgin-Gruppe war ursprünglich selbst an der Börse notiert. Branson hatte den Konzern jedoch 1988 wieder in Privatbesitz genommen.

Jahrelanger Rechtsstreit

Der Weg für den bereits seit längerem geplanten Börsengang von Virgin Mobile hatte Branson Ende Januar freigemacht. Virgin Mobile einigte sich damals mit dem zur Deutschen Telekom gehörenden Mobilfunkunternehmen T-Mobile über einen jahrelangen Rechtsstreit. T-Mobile zog sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit seinen rund vier Mio. Kunden zurück. Dafür wird T-Mobile mit maximal 100 Mio. Pfund am Erlös des geplanten Börsengangs beteiligt. T-Mobile zählte in Großbritannien Ende März 14,3 Mio. eigene Mobilfunkkunden.

Virgin Mobile wurde 1999 als Mobilfunkdienstleister für den britischen Markt zu gleichen Teilen von Virgin und T-Mobile gegründet. Auf dem zwischen vier Netzbetreibern heftig umkämpften britischen Markt verkauft Virgin Mobile seitdem in seiner Ladenkette Handys mit Guthabenkarten auf eigene Rechnung, T-Mobile liefert die Netzkapazitäten. Über die Höhe von Provisionszahlungen für neue Kunden hatten sich T-Mobile und Virgin zerstritten und gegenseitig verklagt.

Der Börsengang von Virgin Mobile findet in einem durchwachsenen Umfeld statt, da zahlreiche Börsengänge in Europa in den zurückliegenden Wochen abgesagt worden waren. Zudem haben sich die Kursnotierungen der meisten Börsenneulinge wie etwa der Deutschen Postbank oder des belgischen Telekom-Konzerns Belgacom bisher nicht weit von ihren Ausgabekursen entfernt.(APA/Reuters)

Share if you care.