Mannesmann-Prozess: Haftstrafen für Esser und Funk gefordert

5. Juli 2004, 11:26
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Ackermann soll nach dem Willen der Anklage eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung erhalten

Gefängnisstrafen für die früheren

Mannsmann-Manager Klaus Esser und Joachim Funk, Bewährungsstrafen für

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und den früheren

IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel: Das fordert die

Staatsanwaltschaft im Mannesmann-Prozess. "Wir haben den Nachweis

erbracht, dass sich die Angeklagten in allen Anklagepunkten strafbar

gemacht haben", sagte Staatsanwalt Lothar Schroeter am Mittwoch im

Schlussplädoyer.

Drei Jahre Haft gefordert

Für Deutschlands mächtigsten Banker Josef Ackermann verlangten die

Staatsanwälte im spektakulärsten deutschen Wirtschaftsprozess wegen

Untreue im besonders schweren Fall eine Freiheitsstrafe von zwei

Jahren, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Für den

früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Funk verlangten sie wegen des

gleichen Delikts eine Gefängnisstrafen von drei Jahren.

Ex-Mannesmann-Chef Esser soll für zwei Jahren und sechs Monate hinter

Gitter.

Bewährungsstrafen

Zwickel soll nach dem Willen der Anklage eine Bewährungsstrafe von

einem Jahr und 10 Monaten erhalten. Für den früheren Mannesmann

Gesamtbetriebsrat, Jürgen Ladberg, und den nur der Beihilfe zur

Untreue beschuldigte Mannesmann-Mitarbeiter Dietmar Droste forderten

die Staatsanwälte jeweils eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

In ihrem Plädoyer gingen die Staatsanwälte scharf mit Ackermann

ins Gericht. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von

Mannesmann habe der Manager ein hohes Maß an Pflichtwidrigkeit an den

Tag gelegt. Er habe die Millionenprämien für Esser und Funk ohne

Überprüfung abgenickt und dabei seine Gleichgültigkeit gegenüber dem

ihm anvertrauten Mannesmann-Eigentum offenbart. Strafmildernd sei

allerdings zu werten, dass der Banker extrem unter der Belastung des

öffentlichen Strafverfahrens gelitten habe, dass er bei dem

Millionenregen keine Eigeninteressen verfolgt und dass sein täglicher

Umgang mit Millionenbeträgen möglicherweise die Hemmschwelle

herabgesetzt habe.

Gesamtschaden 27 Millionen Euro

Noch härter fiel das Urteil der Staatsanwälte über den

Ex-Mannesmann-Chef Esser aus. Der Manager, der selbst eine

Anerkennungsprämie von 15,9 Millionen Euro erhielt, sei die

Schlüsselfigur bei einer unrechtmäßigen Verschleuderung von

Mannesmann-Vermögen gewesen. Planend und lenkend habe er hinter den

Entscheidungen der anderen Angeklagten gestanden, zu Unrecht

Millionenprämien an aktive und ehemalige Vorstandsmitglieder der

Mannesmann AG zu verteilen. Der Gesamtschaden für Mannesmann summiere

sich auf mindestens 27 Millionen Euro.

Harte Kritik an Funk

Am schwersten wiegen allerdings nach Einschätzung der

Staatsanwaltschaft die Taten des früheren

Mannesmann-Aufsichtsratschefs Funk, der selbst Abfindungen in Höhe

von 5,8 Millionen Euro erhielt. Als Aufsichtsratsvorsitzender habe er

sich bedenkenlos über das Aktienrecht hinweggesetzt und sich mehrmals

selbst begünstigt. Ex-IG-Metall-Chef Zwickel und die anderen

Angeklagten hätten durch das Abnicken der Millionenabfindungen

ebenfalls ihre Pflichten verletzt. "Vorsätzlich griffen die

Angeklagten in die Taschen der Mannesmann AG und warfen Millionen zum

Fenster hinaus", sagte Staatsanwalt Negenborn.

Kritik am Plädoyer kam von Ackermann-Anwalt Klaus Volk: "Die

Staatsanwaltschaft hat bereits in der vergangenen Woche die

Wirklichkeit verdreht. Dazu passt die Forderung nach Strafe."

Der Prozess wird am Donnerstag kommender Woche mit den ersten

Verteidiger-Plädoyers fortgesetzt.(APA/AP)

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