Riesige Wasserrohre sollen Brücken vor gefährlichem Schwingen bewahren

7. Juli 2004, 21:07
7 Postings

Wiener Forscher präsentiert Projekt "Flüssigkeitstilger mit Luftfeder"

Wien - Mit riesigen Wasserschläuchen bzw. -rohren will Michael Reiterer vom Institut für allgemeine Mechanik der Technischen Universität (TU) Wien Brücken sicherer machen. Das Wasser soll nämlich Schwingungen auffangen, welche den Brücken gefährlich werden könnten, erklärte der Forscher bei der Präsentation von Projekten des "TU-Kooperationszentrums für Katastrophenvorbeugung, Management und Sicherheit" am Mittwoch in Wien.

Anlass und Abhilfe

Der Wissenschafter analysierte für seine Arbeit die Londoner Millennium-Brücke, die im Jahr 2000 wenige Tage nach ihrer Eröffnung wegen zu starker Schwankungen gesperrt werden musste. Die Idee für Reiterers Projekt mit dem Titel "Flüssigkeitstilger mit Luftfeder" klingt verblüffend einfach: Unter der Brücke werden u-förmige Rohre montiert, die teilweise mit Wasser gefüllt sind. Gerät das Bauwerk dann minimal in Schwingungen, nimmt das Wasser gleichsam die Energie auf und schwappt in die Gegenrichtung.

"Letztendlich schwingt der Tilger (das wassergefüllte Rohr, Anm.), die Brücke bleibt ruhig", sagte der Foscher. Gedämpft wird das ganze zusätzlich, da die u-förmigen Rohre oben geschlossen und nur teilweise mit Wasser gefüllt sind. Über dem Wasser ist also auf beiden Seiten Luft, die sich von den Schwingungen des Wassers zwar zusammendrücken lässt aber doch Widerstand leistet.

Flüssigkeit statt Federn

Das Prinzip der Schwingungsdämpfung für Brücken ist nicht neu. Bisherige Ansätze arbeiteten allerdings mit Federn. Das Problem dabei war, dass diese Stoßdämpfer erst ansprachen, wenn das Gebäude schon erheblich in Bewegung war. Die Flüssigkeitsdämpfer sprechen dagegen schon auf minimale Vibrationen an. Außerdem sind die Tilger weitgehend wartungsfrei.

Für die Londoner Brücke mit ihren 144 Metern Länge müssten laut Reiterer drei Tilger mit einem Querschnitt von etwa zwei Metern montiert werden, im Vergleich zu anderen Systemen eine sehr billige Lösung. Im Computer sowie auch im 1:20 Modell in den Labors der TU Wien läuft die Sache mit großem Erfolg, 70 Prozent der Schwingungen von Brücken können dadurch eliminiert werden. Typische Einsatzgebiete für die Tilger wären etwa Fußgängerbrücken, die vergleichsweise schwach ausgeführt, bei starkem Wind oder Erdbeben aber erheblich ins Wanken geraten.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Aufsehen erregend: 2000 schwang die Londoner Millennium Bridge, dass es die PassantInnen darauf gruselte

Share if you care.