Embryo aus tiefgefrorenem Eierstockgewebe

5. Juli 2004, 12:58
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Dänische Ärzte wandten neue Methode bei ehemaliger Krebspatientin an

Berlin - Dänische Ärzte melden Fortschritte bei der Behandlung ehemals krebskranker Frauen mit Kinderwunsch. Sie gewannen einen Embryo aus den Eizellen einer Frau, deren Eierstockgewebe zwei Jahre lang eingefroren war und ihr wieder transplantiert wurde. Der Embryo sei in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt worden, derzeit sei aber noch unklar, ob sie tatsächlich schwanger sei. Das Team vom Universitätskrankenhaus in Kopenhagen stellte seine Ergebnisse auf dem europäischen Kongress der Reproduktionsmediziner in Berlin vor.

"Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Frau ein Kind auf die Welt bringt, nachdem sie aufgetautes Eierstockgewebe eingepflanzt bekommt", sagte Claus Yding Andersen. Dies ist den Angaben zufolge das erste Mal, das solch ein Verfahren in Europa gelang. Eine amerikanische Gruppe hatte im März im Fachjournal "The Lancet" über einen ähnlichen Eingriff berichtet, der jedoch nicht zu einer Schwangerschaft führte.

Der Fall

Der dänischen Patientin war im Alter von 32 Jahren der linke Eierstock entfernt worden, bevor sie eine Chemo- und Strahlentherapie wegen Lymphdrüsenkrebses erhielt. Der verbliebene Eierstock habe durch die Behandlung seine Arbeit eingestellt und die Frau sei frühzeitig in die Wechseljahre gekommen. Im April 2003 sei der Frau ein Teil des aufgetauten Eierstocks auf den verbliebenen verpflanzt worden. Daraufhin habe die Frau wieder ihre Periode bekommen und die künstliche Befruchtung konnte eingeleitet werden.

US-Ärzte hatten zuvor einer Brustkrebspatientin eingefrorenes Eierstockgewebe sechs Jahre nach einer Chemotherapie unter die Bauchdecke gepflanzt. Innerhalb von drei Monaten stellte sich die normale Funktion des Gewebes wieder ein. Bei acht Eingriffen gewannen die Mediziner 20 Eizellen aus dem Transplantat. Acht davon wurden im Reagenzglas künstlich befruchtet, eine entwickelte sich zu einem Embryo. Dieser wurde zwar in die Gebärmutter der Patientin eingesetzt, die Frau wurde jedoch nicht schwanger - was bei einer künstlichen Befruchtung allerdings nicht selten ist.(APA/dpa)

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