Gericom-Chef: "Die CPUs werden in Buttersemmeln versteckt"

30. Juni 2004, 16:16
37 Postings

Der Linzer Notebook-Hersteller gerät mit strengen Kontrollen seiner Mitarbeiter und "Ausgangssperren" ins Visier von AK und Gewerkschaft

Die Mitarbeiter des Linzer Notebook-Herstellers Gericom dürfen sich des besonderen Interesses von Arbeiterkammer und Gewerkschaft sicher sein - der Grund hierfür liegt in Berichten von Missständen und unzumutbaren Arbeitsbedingungen im Unternehmen.

Ein "seltsames" Interview

Ein nun veröffentlichtes Interview mit dem Gericom Vorstand-Vorsitzenden Hermann Oberlehner in der "Rundschau" sorgt für neue Diskussionen. So meint Oberlehner etwa auf die Frage "Warum dürfen Ihre Mitarbeiter in der Mittagspause das Unternehmen nicht verlassen?", dass "die Verlockungen für die jungen Leute dadurch geringer würden". "Wir haben festgestellt, dass es eine organisierte Kriminalität bei uns gegeben hat", so Oberlehner weiter und "es gibt auch Mitarbeiter-...der geht mittags hinaus und f... seine Kollegin am Parkplatz. Und das lasse ich nicht zu".

Die "Buttersemmelkontrolle"

Oberlehner berichtet von mehr als einem Dutzend Anzeigen gegen Mitarbeiter im letzten Jahr. Gestohlene CPUs wurden etwa in Buttersemmeln versteckt und so aus der Fabrik geschmuggelt. "Wir haben die Semmeln untersuchen lassen", so der Gericom-Chef. Daher hat man sich bei Gericom zu weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen genötigt gesehen. So werden nun Sicherheitschecks mit Schleusen nach dem Ende der Arbeitszeit durchgeführt, wobei auch vor den BHs der Mitarbeiterinnen nicht Halt gemacht werden soll, meldet die Rundschau. Oberlehner dazu im Interview: "Ich habe kostenlose BHs zur Verfügung gestellt und auch eine eigene Gericom-Kleidung. Ich habe sie (die Mitarbeiter, Anm.d.Red.) auch ersucht keine Jeans mit Metallknöpfen zu tragen. Was in China und Japan Standard ist, ist bei uns nicht zu schaffen."

Wie lange waren sie am "stillen Örtchen"

Ein weiterer Gericom-Kontrollmechanismus beschäftigt sich mit der Häufigkeit und Dauer des WC-Aufenthalts der Mitarbeiter. Diese Massnahme wurde eingeführt, weil "sich herausgestellt hat, dass Hasch geraucht wird. Wenn jemand bei mir Blödsinn macht, hat das fatale Folgen", so Oberlehner der die Sicherehitsmassnahmen als gerechtfertigt ansieht, "weil es nicht anders geht". Das gesamte Interview findet sich unter anderem als Foren-Eintrag beim österreichischen Computermagazin WCM.(red)

  • Gericom-CEO Hermann Oberlehner

    Gericom-CEO Hermann Oberlehner

Share if you care.