Manchester und Liverpool schrumpfen

8. Juli 2004, 15:47
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Wirtschaftliches Süd-Nord-Gefälle in Großbritannien weiter verschärft - Boom im Süden, Krise im Norden

London - Das wirtschaftliche und soziale Süd-Nord-Gefälle in Großbritannien hat sich im vergangenen Jahrzehnt weiter verschärft. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Sheffield in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Ein Grund für die Entwicklung ist demnach eine noch nie da gewesene Wanderung von Fachkräften vom Norden in die Hauptstadt London. Bewohner des Südens sind durchschnittlich besser ausgebildet, verdienen mehr Geld und leiden seltener an chronischen Krankheiten.

"Im Süden gibt es die Metropole London, im Norden und Westen dagegen das 'provinzielle Archipel' - städtische Inseln, die demographisch, sozial und wirtschaftlich offenbar langsam absteigen", erklärte der Geographie-Professor Daniel Dorling. Nach seiner Aussage entwickelt sich Großbritannien zu einem Land, das nur noch durch seine Geschichte vereint ist, geographisch aber auseinanderdriftet.

Norden leidet am Strukturwandel

Zwar gehören einige Londoner Stadtbezirke wie Tower Hamlets und Hackney noch immer zu den ärmsten Gebieten in Großbritannien. Südostengland ist der Studie zufolge aber die wohlhabendste Region. Sie profitierte in den 90er Jahren unter anderem von der boomenden Finanzbranche, in der 1,7 Millionen Stellen geschaffen wurden.

Der Norden dagegen litt am Strukturwandel: Im produzierenden Gewerbe wurden zwischen 1991 und 2001 etwa 500.000 Stellen abgebaut. Das mittelenglische Birmingham verlor in diesem Zeitraum drei Prozent seiner Bevölkerung, Liverpool und Glasgow acht Prozent und Manchester sogar ein Zehntel.(APA)

  • Liverpool hat zwischen 1991 und 2001 acht Prozent seiner Bevölkerung verloren.
    foto: epa/noble

    Liverpool hat zwischen 1991 und 2001 acht Prozent seiner Bevölkerung verloren.

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