Kleinvieh weg, Investor angeblich da

2. Juli 2004, 23:25
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Safaripark Gänserndorf: Ortschef als "Parlamentär" zweier Interessenten bei Landeshauptmann Pröll

Der Kleintiertransport ging aus dem Safaripark weg ins ferne Salzkammergut. Doch die Ziegen, Schafe, Haflinger, Esel, Lamas, das Federvieh und die Vögel könnten bald wieder zurückkehren - das hofften am Dienstag zumindest die Mitarbeiter des Österreichischen Tierschutzvereins: Dieser hat dem insolventen Unternehmen um rund 100.000 Euro Spendengeld den Streichelzoo abgekauft.

Das hoffte im Gänserndorfer Gemeindeamt derweil auch Bürgermeister Johann Karl (SP): Ja, es gebe Pläne, den Streichelzoo mit den rund 600 verbleibenden Exoten wieder zu vereinen, bestätigte er. Pläne im Rahmen eines weitaus kostspieligeren Plans: Dem Kauf des Parks durch "einen von zwei Interessenten".

Für diese möglichen - wenn auch namentlich ungenannt bleibenden - Investoren sei er derzeit als "Parlamentär" tätig, erläuterte Karl: Als Wegbereiter und Fürsprecher bei Landeshauptmann Erwin Pröll (VP). Die potenziellen Geldgeber - sie kommen beide aus Österreich - hätten vor, den Tierparkbetrieb mit "sanftem Tourismus" zu verbinden, schilderte der Ortschef. Er hoffe, der Landeshauptmann wisse "den hohen Stellenwert des Safariparks für unsere Region einzuschätzen".

"Verwundert"

In Prölls Büro bestätigt man die Terminanfrage: Man habe die Sache an den zuständigen Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann (VP) weitergeleitet. Dort zeigt man sich "verwundert, dass im letzten Moment Interessenten auftauchen".

Tatsächlich endet im Safaripark am 9. Juli die Tätigkeit der vom Land finanzierten Tierbetreuungs-GesmbH. Das Geld sei schlicht ausgegangen, erläutert deren kaufmännischer Leiter, Josef Ebenbichler. Eine Begründung, die man im Land relativiert: Die 800.000 Euro sollten bis Ende August reichen, heißt es bei der NÖ-Regionalentwicklungsagentur Eco Plus.

Der Vertragsaufkündigung waren erbitterte Streits der Tierbetreuer mit dem Masseverwalter, Anwalt Ferdinand Bruckner, vorangegangen. Sie kulminierten vergangenen Freitag in einer Parkbegehung, nachdem Bruckner von den Tierbetreuern wegen angeblicher Nicht-Behebung von Sicherheitsmängeln beim Arbeitsinspektorat angezeigt worden war. Die Begehung verlief ergebnislos. (Irene Brickner/DER STANDARD; Printausgabe, 30.6.2004)

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