Wenn Benzin und Bier in Strömen fließen

2. Juli 2004, 23:25
1 Posting

Motorrad-Hillclimbing: Steirische Grüne sehen "Umweltskandal und Gewaltexzess"

"Du musst schon ganz schön krank sein, um hierher zu kommen", strahlt ein Mann in die Kamera. Im Hintergrund hört man Motorräder dröhnen. Manche Motoren sind ohne dazugehöriges Gefährt fix auf einer Wiese montiert - ausschließlich zur Lärm- und Abgasproduktion. Wenn das Getöse leiser wird, hört man das Grölen von Männern, die sich mit Schlamm, Bier und sogar Urin bespritzen, oder - vor den Augen von Kindern - so lange auf am Boden Liegende eindreschen oder springen, bis diese sich nicht mehr rühren.

"Schützende Hand" von Frau Klasnic

Diese Szenen sind auf einem Video, das ein Kameramann, der für Sportsender filmt, den Grünen zugespielt hat. Entstanden ist das Material in den vergangenen zehn Jahren beim "Hillclimbing"-Rennen in Rachau und Glein (Bezirk Knittelfeld). Den Ehrenschutz für die Veranstaltung hatte Landeshauptfrau Waltraud Klasnic übernommen. "Das Land hält schützend die Hand über den Wahnsinn, obwohl das ein Besäufnis mit Gewaltexzessen ist, bei dem jedes Jahr Hunderte Liter Treibstoff in den Grund fließen", kritisiert Grünen-Chefin Ingrid Lechner-Sonnek.

Benzin wie aus dem Wasserhahn

Bedenken gab es auch von höherer Stelle: Das Umweltministerium forderte das Land Steiermark bereits 2002 auf, zur Veranstaltung Stellung zu nehmen. In einem Bescheid der zuständigen Bezirkshauptmannschaft heißt es: "Die anfallenden Flüssigkeiten sind ordnungsgemäß zu entsorgen." Ganz im Gegensatz dazu stehen Szenen, wo aus vielen Maschinen Benzin wie aus einem Wasserhahn in den Hang fließt. Das Video steht ab Donnerstag auf der Grünen-Homepage.

Das nächste Rennen soll von 9. bis 11. Juli stattfinden. Veranstalter Jörg Michl rechnet mit 10.000 Besuchern pro Tag, unterstützt werde er vom Tourismusverband. Zu Landesförderungen wolle er nichts sagen, "das ist gerade im Laufen". (cms/DER STANDARD; Printausgabe, 30.6.2004)

Share if you care.