Die "musikpädagogische Wüste" im Westen

2. Juli 2004, 22:00
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Nur eine private Musikschule im 13. und 14. Bezirk - die Aussichten sind weiter trist

"Der Westen Wiens ist eine musikpädagogische Wüste", grollt der Bratscher Wolfgang Klos. Und das geht ihn als Vizerektor der Musikuniversität insofern etwas an, "da wir ja die Lehrer ausbilden, die dort unterrichten sollten".

Die Situation beim Einstieg in die Musikförderung ist in der "Welthauptstadt der Musik" unverändert schlecht. 2003 bekamen bereits 740 Kinder keinen Musikschulplatz - obwohl sie die Aufnahmeprüfung bestanden hatten. Christian Meyer vom Arnold Schönberg Center vergleicht: "In Island gibt es 85 Musikschulen für 260.000 Menschen. In Wien nicht einmal die Hälfte für 1,5 Millionen."

In der Wüste im Westen gibt es nur eine Oase: Eine private Musikschule in Hietzing - in Penzing gibt es keine einzige. Dabei: "Mit knapp 80.000 Einwohnern wäre Penzing als selbständige Gemeinde die 7. größte Stadt Österreichs", rechnet Claus-Christian Schuster vom Altenberg Trio vor. "Dass ein solches Siedlungsgebiet von der öffentlichen Hand zum musikalischen Niemandsland erklärt wird, kann nicht der Ernst der Verantwortlichen sein."

50 Musik-Kaliber

Knapp 50 derartige - meist mit Kommentaren versehene - Unterschriften hat der "Verein zur Gründung einer Musikschule in Penzing" bereits gesammelt. Und zwar von wahren Kalibern des österreichischen Musiklebens. Von Nikolaus Harnoncourt über Rudolf Buchbinder, Friedrich Cerha, Elisabeth Leonskaja, Heinrich Schiff bis hin zu Joe Zawinul.

Allein: Die Aussichten sind trist, wie derzeit die Wetterprognosen. Bei einem Treffen mit der zuständigen Stadträtin Grete Laska (SP) wurde dem Penzinger Verein vollstes Verständnis bekundet - allein: es fehle am Geld. Dazu kommt, dass sich die Musikschulen derzeit im Umbruch befinden: "Wir wollen nach der Ausgliederung aus dem Konservatorium im Herbst ein Gesamtkonzept für ganz Wien erstellen", erklärt die designierte Musikschulen-Leiterin Swea Hieltscher im STANDARD-Gespräch.

"Niveau angleichen"

Vorerst gelte es, "das Niveau und den Standard der bestehenden Schulen untereinander anzugleichen". Ein derartiger Schritt sei der Neubau der Musikschule Meidling, der im September eröffnet werden soll. Und es sollen "regionale Schwerpunkte wie Jazz oder Alte Musik" geschaffen werden.

"Es passiert ja nicht nichts und die Musikschulen leisten hervorragende Arbeit", betont Nicole Marte vom Penzinger Musikschulverein. "Aber der Zustand im 13. und 14. Bezirk ist einfach inakzeptabel."

Denn auch die Hietzinger Musikschule musste bis vor wenigen Tagen ums Überleben bangen, war doch angedroht worden, dass die Subvention der Stadt gekürzt werde. Diese Woche soll nun im Gemeinderat beschlossen werden dass die Subvention nicht erhöht - aber wie in den letzten vier Jahren bei 70.000 Euro gleich bleiben soll.

"Dabei haben jetzt schon 22 von 24 Lehrern nur einen Werkvertrag mit zehn Monatsgehältern", berichtet Musikschuldirektorin Daniela Wolfsberg. Sie spricht von "unzumutbaren Zuständen": Dass etwa in zwei Volksschulen unterrichtet werden muss, die Freitagnachmittag zu sind. Oder dass 20 Prozent der Subvention gleich an eine andere Magistratsabteilung für die Miete abgeliefert werden. Und dass die Büros in Privatwohnungen untergebracht sind. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 30.6.2004)

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