Rücktritt nach pannonischem Privatisierungsspektakel

8. Juli 2004, 15:44
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Der Rückzieher der Hypo Alpe-Adria bleibt nicht ohne Folgen: Hypo-Aufsichtsratspräsident Herbert Koch gab seinen Rücktritt bekannt

Klagenfurt/Eisenstadt - Der Doch-nicht-Verkauf der Bank Burgenland an die Klagenfurter Hypo Alpe-Adria Bank AG zieht weitere Knalleffekte nach sich. Kaum war die Entscheidung der Kärntner Hypo, die zu 52 Prozent dem Land Kärnten und zu 48 Prozent dem Versicherungsunternehmen Grawe (Grazer Wechselseitige) gehört, bekannt gemacht, setzte es auch schon den ersten Rücktritt. Der Aufsichtsratspräsident der Kärntner Bank, Herbert Koch, gab am Dienstag überraschend seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat bekannt. Am Freitag war der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider mit dem entsprechenden Anliegen an Koch herangetreten. Er war dem Kontrollgremium der expansionslustigen Bank seit 1998 vorgestanden.

Burgenlands "Bin schon weg"

Auch einen Rücktritt vom Rückzug gab es: Bank-Burgenland-Vorstand Gerold Stagl, der per 1. Juli ausscheiden sollte, will bleiben: "Für meine Abberufung gab es keine Abstimmung und keinen Beschluss", begründete der Manager seinen Widerstand.

Nach offizieller Sprachregelung hat die Demission Kochs (im Hauptberuf Miteigentümer und Vorstand der Kika-Leiner-Möbelgruppe) nichts mit dem Rückzieher der Hypo Alpe-Adria aus dem der pannonischen Privatisierungstrauerspiel zu tun. In einer schriftlichen Erklärung begründete Koch seinen Schritt vielmehr mit der "Umstrukturierung in der Kärntner Landes- und Hypothekenbank Holding", in die das Land Kärnten seine Bankbeteiligung eingebracht hat. Es sei "logisch, dass auch der Aufsichtsrat des bedeutendsten Assets des Landes, eben der Hypo Alpe-Adria, von einem Vorstandsmitglied der Landesholding geleitet werden soll". Und: "Deswegen habe ich der Bitte des Landes Kärnten entsprochen und mein Mandat zur Verfügung gestellt." Die Grawe goutiert die Ablöse Kochs nicht sehr: "Wir haben Koch außerordentlich geschätzt, für die Bank sind wir ihm zu größtem Dank verpflichtet."

Tatsächlich dürfte der Bank-Burgenland-Deal die beiden Hypo Alpe-Adria-Eigentümer einander etwas entfremdet haben. Landeschef Haider soll nicht erpicht darauf gewesen sein, dem Land Kärnten weitere Haftungen (in Form von Risiken aus der Bank Burgenland) umzuhängen. Zugespitzt formuliert: Das Burgenland wollte mit der unsanierten Bank gleich auch Haftungen in Richtung Kärnten loswerden, Kärnten wollte sie nicht haben.

Eine Darstellung, die Kochs Nachfolger, Landesholding-Chef Klaus Bussfeld, gar nicht von der Hand weist. Bussfeld ("Die Eigentümer werden mich als Aufsichtsratschef vorschlagen.") erklärt das Platzen des Burgenland-Deals so: "Natürlich spielte die Frage des Risikos eine Rolle, die Risiken wären höher gewesen als die Chancen. Und", so der Exmanager des deutschen Energiekonzerns RWE weiter: "Es hat sich sehr wohl die Frage gestellt, wer für neuauftauchende Risiken haften soll."

Kärntner würden kooperieren Die Zukunft der Bank Burgenland steht unterdessen in den Sternen. Die Eigentümer wollen weiterhin verkaufen, bestätige Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). Derzeit ist aber nicht einmal klar, ob die Kärntner endgültig aus dem Rennen sind. Der Vizechef im Hypo-Aufsichtsrat, Grawe-Chef Othmar Ederer: "In der jetzigen Situation ist die Sache für uns beendet." Sein künftiger Präsident Bussmann relativiert: "In der gegenwärtigen Transaktionsstruktur, wie sie das Burgenland vorsieht, ist uns das Risiko zu groß. Kooperationen will ich aber nicht ausschließen, das setzte aber klare Kooperationsverträge voraus. Für eine einseitige Risikoübernahme stehen wir nicht zur Verfügung." (Renate Graber DER STANDARD Printausgabe 30.06.2004)

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