90-Sekunden-Männer sollen gegen Räuber und Diebe helfen

2. Juli 2004, 23:22
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Private Sicherheitsdienste sollen in Wien verstärkt eingesetzt werden, um Ladendiebstähle und Banküberfälle zu verhindern

Mit den ersten Erfahrungen aus Pilotversuchen sind die Wirtschaftstreibenden durchaus zufrieden. Auch die Polizei zollt der privaten Konkurrenz Lob.

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Zwischen einem erfolgreichen Coup und einer Verhaftung am Tatort liegen für einen Straftäter oft nur Sekunden. Maximal 90 darf für Diebe und Räuber ein Beutezug in Wiens Innenstadt dauern, ehe ein Security-Mann vor Ort ist. Verspricht zumindest das Sicherheitsunternehmen Securitas, dessen "Vienna Service Guards" seit kurzem 130 Geschäfte in der City betreuen. Mit Erfolg, wie die Kaufleute konzedieren.

"Die Situation hat sich stark gebessert", betont etwa Thomas Bernd, Geschäftsführer der Österreichischen Werkstätten auf der Kärntnerstraße, Montagabend bei einer Podiumsdiskussion der Wirtschaftskammer zur Sicherheitslage in der Bundeshauptstadt. "Wir hatten einmal sechs Personen im Geschäft, die sich verdächtig benahmen. Als nach kurzer Zeit drei Sicherheitsleute vor Ort waren wurde es ihnen offenbar zu ungemütlich - sie gingen wieder", berichtet er von einem Einsatz der Service Guards.

Vier Wachmänner sind es, die tagsüber patrouillieren und für so genannte Service-und Alarmrufe via eigenem Funknetz zur Verfügung stehen. 30 bis maximal 90 Sekunden brauchen sie, um in einem Geschäft zu sein, rechnet Securitas-Geschäftsführer Martin Wiesinger vor. Dort sollen die mit Pfefferspray und Handschellen ausgerüsteten Aufpasser dann alleine durch ihre Präsenz Verbrechen verhindern oder, wenn schon etwas passiert ist, durch kompetente Zeugenaussagen die Polizei unterstützen.

Kooperation mit Exekutive gelungen

Zusätzlich werden auch Angestellte mit der Tageslosung zur Bank begleitet oder überprüft, ob die Türen ordentlich verschlossen sind. Im Schnitt sind es drei Anrufe pro Tag, die jeder Wachmann erhält, bilanziert Wiesinger. Teilnehmende Unternehmer zahlen für den Service 100 Euro im Monat, unabhängig wie oft sie ihn nutzen. Auch auf andere Einkaufsstraßen und Landeshauptstädte soll das Konzept ausgedehnt werden.

Ein Modell, dem auch Herwig Haidinger, der Leiter des Bundeskriminalamtes, einiges abgewinnen kann. Er sieht die Kooperation mit der Exekutive als durchaus gelungen.

Hilfe von privater Seite

Auch bei einem anderem Delikt soll nun auf die Hilfe von privater Seite gebaut werden: Security-Männer in Zivil sollen Banken überwachen und nach einem Überfall die Polizei auf die richtige Spur führen.

Nach dem sprunghaften Anstieg der Bankraube im heurigen Jahr haben sich die Wiener Polizei und die Bankensparte der Wirtschaftskammer jüngst auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket geeinigt, berichtet Spartengeschäftsführer Wolfgang Pettighofer.

Teil des Pakets sind Inkognito-Wachleute, die gegenüber ausgewählten Filialen ihren Beobachtungspunkt beziehen. Kommt es zum Überfall, können sie als "qualifizierte Zeugen" den Fahndern eine genaue Personenbeschreibung und Fluchtweg des Täters geben, rascherer Fahndungserfolg ist das Ziel. (Michael Möseneder/DER STANDARD; 30.6.2004)

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