In U-Bahn 2286 beobachten Spione die Passagiere

2. Juli 2004, 23:22
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Die Wiener Linien starten einen Pilotversuch, U-Bahnzüge mit Kameras zu überwachen - Erste Spione wurden schon installiert

Die Wiener Linien starten einen Pilotversuch, U-Bahnzüge mit Kameras zu überwachen. Die ersten Spione wurden schon installiert, sind aber noch nicht „scharf“. 1000 Kameras gibt es auf Rolltreppen und Bahnsteigen bereits. Die „Arge Daten“ ist skeptisch, die Rechtslage unklar.

Die Spione an der Decke

Faustgroße schwarze Knöpfe picken seit einigen Wochen in zwei Garnituren der Linie U3. Genauer gesagt kleben sie an der Decke der Waggons Nummer 2286 und 3286 und in diesen Knöpfen sind Überwachungskameras. Keine Sorge, zerstreut man bei den Wiener Linien Ängste vor der totalen Überwachung, „die Dinger sind nicht scharf“.

Warum wurden dann Kameras in dem Waggon installiert?

„Ein Pilotversuch ist geplant, wie man die Überwachung in der U-Bahn machen kann,“ sagt Linien-Sprecher Johann Ehrengruber, „aber der Versuch startet frühestens Anfang 2005“. Die schwarzen Spione, die bereits von etlichen U-Bahngästen registriert wurden, seien eingebaut worden, weil der Zug gerade in der Werkstätte war - da sei es halt in einem gegangen. Fix sei die Überwachung aber noch nicht, man wolle erst Erfahrung sammeln.

Mehr Überwachung

Wie man es dreht und wendet - es wird über mehr Überwachung nachgedacht. Bereits jetzt sind bei Rolltreppen und auf den Bahnsteigen der Wiener Linien rund 1000 Kameras installiert. Mitarbeiter sitzen irgendwo in der Station hinter Bildschirmen und beobachten das Geschehen. Ehrengruber berichtet, dass man mit mehr Kameras in den U-Bahnen vor allem der Zerstörungswut so mancher Vandalen entgegentreten könnte. Der eine oder andere werde davon abgehalten, Wände zu bekritzeln oder Sitzpölster zu zerfetzen, wenn er sich beobachtet fühlt. Das hätten Versuche in anderen Städten Europas gezeigt.

Das Problem verlagert sich

„Stimmt“, sagt Hans G. Zeger von der Österreichischen Gesellschaft für Datenschutz (Arge Daten), just im U-Bahnwaggon wirke die Kamera abschreckend, aber: „Wenn nicht im Waggon etwas zerstört wird, wird halt anderswo eine Tür eingetreten.“ Das Problem verlagere sich nur. In Salzburg will man neuerdings die Lokalmeile am Rudolfskai von einem privaten Wachdienst per Kameras kontrollieren lassen, weil dort häufig Randalierer toben. Umstritten ist die Rechtslage. Auch bei den Wiener Linien wird erst erst geprüft, inwieweit die U-Bahnwaggons überwacht werden dürfen.

Speichern oder nicht

Wiederholt hat Innenminister Ernst Strasser den Wunsch geäußert, dass man auf derlei private Daten zurückgreifen wolle, um das eine oder andere Verbrechen klären zu können. Datenschutzexperte Zeger wendet ein, dass dies rein von der Verwaltung der Datenmengen und von den Kosten her absurd ist. „Wer soll die vielen Bänder im Nachhinein anschauen?“ Was das Filmen anlangt, ist er überhaupt mit den Gesetzen unzufrieden: „Leider ist auf Privatgrund alles erlaubt. Jeder kann eine Kamera aufstellen und niemand kann sich dagegen wehren.“ Was jetzt vorliegt, ist eine neues Sicherheitspolizeigesetz. Es regelt, wo und wie lange die Polizei per Video mitschauen darf. Neu ist, dass die Videobänder von Überwachungskameras 48 Stunden lang aufbewahrt werden. Das war bisher nicht erlaubt. Das Gesetz wurde aber noch nicht vom Nationalrat beschlossen.(Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe vom 30.6.2004)

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