SP-Chef Gusenbauer: Längere Arbeitszeit würde Jobs kosten

6. Juli 2004, 13:57
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VP-Wirtschaftsberater Raidl fordert längere Arbeitszeit und weniger Feiertage

Wien - SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hält von der Debatte um eine Verlängerung der Arbeitszeit "gar nichts". Denn "völlig ausgeklammert wird, dass schon heute jene, die Arbeit haben, meistens härter und länger arbeiten als im Arbeitszeitgesetz steht", sagte der Oppositionsführer im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Mittwochausgabe). Gleichzeitig gebe es immer mehr Leute, die überhaupt keine Arbeit haben. "Jetzt auch gesetzlich die Arbeit zu verlängern, würde den Druck auf den Arbeitsmarkt verstärken und Jobs kosten", so Gusenbauer.

VP-Wirtschaftsberater Raidl will Feiertage streichen

Böhler-Uddeholm-Vorstandsvorsitzender Claus Raidl tritt im "Kurier"-Interview (ebenfalls Mittwoch) für längeres Arbeiten und weniger Feiertage ein. Der VP-Wirtschaftsberater fordert eine Verlängerung der Arbeitszeit in "erträglichem Ausmaß". Erträglich scheint Raidl nicht nur die 40-Stunden Woche, sondern "in milder Form" auch die Verlegung oder Abschaffung mancher Feiertage. Er könnte sich vorstellen, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam von einem Donnerstag auf einen Freitag zu verschieben, "das würde die Probleme mit den Fenstertagen verringern." Am 8. Dezember sollte laut Raidl überhaupt gearbeitet werden. Den Ostermontag will er "zur Diskussion stellen". Raidl ortet in dieser Frage eine "unheilige Allianz zwischen Kirche und Gewerkschaftsbund".

Es gehe ihm nicht um größere Profite, sondern um ein Konzept gegen die Arbeitslosigkeit, beteuert Raidl: Internationale Erfahrungen in Deutschland und Frankreich zeigten, dass eine Arbeitszeitverkürzung nichts bringen würde. Es sei ein "Trugschuss zu glauben, dass es eine fixe Menge an Arbeit gibt, die man nur zu verteilen braucht". Entscheidend sei vielmehr die Wettbewerbsfähigkeit. Die Umsetzung seiner Vorschläge würde die Lohnstückkosten um "vier bis fünf Prozent" verringern, ist Raidl überzeugt. In Summe würde sich die Arbeitszeit pro Person und Jahr um rund 80 Stunden erhöhen. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit fordert der Industrielle zudem wieder die Einführung subventionierter Billigjobs. Einen Teil des Gehalts von wenig qualifizierten Arbeitnehmern sollte der Staat übernehmen, um mehr Leute in Beschäftigung zu bringen. (APA)

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