Segeln: Im Sog und im Schatten

4. Juli 2004, 19:30
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Laser-Segler Andreas Geritzer wächst zur Olympia-Hoffnung

Athen - Gegen Robert Scheidt aus Brasilien ist sogar Michael Schumacher ein kleines Licht, Robert Scheidt verbuchte bereits sieben WM-Titel, außerdem ist das Laser-Segeln olympisch und das Im-Kreis-Fahren nicht. Zuletzt hat Scheidt auch die Kieler Woche für sich entschieden, das Bemerkenswerte daran war, dass ihm bis zur letzten Wettfahrt ein Österreicher ordentlich zusetzte. Andreas Geritzer (26) musste sich am Ende nur ganz knapp geschlagen geben, er gilt nun auch bei den Olympischen Spielen als einer der ersten Scheidt-Herausforderer.

In Athen ist mit Geritzer zu rechnen, wie schon im Februar ein zweiter Platz bei den Eurolympics bewies. Vor vier Jahren hatte er als Jungspund in Sydney mit dem überraschenden fünften Platz bereits aufgezeigt, seit damals hat er sich etabliert und mehrere Stockerlplätze erreicht, der ganz große Erfolg fehlt noch. "Meine Zeit kommt erst", ist Geritzer überzeugt und konzentriert sich ab sofort voll aufs Training im Olympia-Revier. "Ein Tag ohne Segeln ist ein verlorener Tag", lautet das Motto des Burgenländers. Sein Coach Steven Johannessen (46) gilt als Trainerguru, ihm hatte seine Heimat Norwegen unzählige Medaillen zu verdanken, ehe ihn Georg Fundak für den Segelverband (ÖSV) nach Österreich lotste.

Johannessen pendelt zwischen Norwegen und dem Neusiedler See, im Burgenland schätzt er nicht nur den Wind, sondern auch den Wein. Geritzer verdankt dem Norweger, dass er konstant geworden ist, früher verhaute er oft an einem einzigen Tag eine ganze Regatta. Mittlerweile ist der Österreicher abgebrüht, und dass er im Schatten der Olympiasieger Roman Hagara und Hans Peter Steinacher steht, stört ihn keineswegs. Im Gegenteil, im August wird man sich in Athen ein Appartement teilen, Geritzer und Johannessen beziehen das Erdgeschoß, Hagara und Steinacher den ersten Stock. Hagaras Siegerehrung in Sydney, sagt Geritzer, sei sein "einprägsamstes Erlebnis" gewesen im Sport. Doch dabei muss es nicht bleiben, Scheidt hin, Scheidt her. (fri - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.6. 2004)

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