Interview mit Wettbewerbshüter Barfuß: "Den Großen sagen, übertreibt es nicht"

8. Juli 2004, 15:46
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Walter Barfuß plant bis zu 30 Vernehmungen bezüglich des möglichen Missbrauchs der Marktmacht - mit dem Chef der Behörde sprach Michael Bachner

Die Wettbewerbsbehörde plant bis zu 30 Vernehmungen und die Publikation von Fällen, wo im Lebensmittelhandel Marktmacht missbraucht wurde. Das sagte Wettbewerbshüter Walter Barfuß zu Michael Bachner.

STANDARD: Wollen Sie mit dem Konflikt Billa gegen Lieferanten vor das Kartellgericht gehen?

Barfuß: Ich plane 20 bis 30 Vernehmungen von Lieferanten und habe vorerst nur das Ziel, die konkreten Ergebnisse im Herbst zu publizieren. Vielleicht bleibt etwas für ein Gerichtsverfahren übrig.

STANDARD: Sie sagen, sie wüssten, dass Lieferanten einen Maulkorb bekommen haben.

Barfuß: Ja, es gibt Druck seitens Billa, aber auch manche Lieferanten, die vorher groß vom Auspacken reden, haben jetzt kalte Füße bekommen.

STANDARD: Auf welcher Seite stehen Sie in dem Konflikt?

Barfuß: Ich will den Großen sagen, übertreibt es nicht, und 2. Spalte versuche den Lieferanten klar zu machen, dass ich kein Hebel bin, um bessere Konditionen heraus zu schinden.

STANDARD: Das klingt nach normalem, hartem Wettbewerb.

Barfuß: Ja, es gibt wilde Kämpfe auf dem Markt, und wir versuchen die teuflisch schwierige Grenzziehung, wo das zu Missbrauch geführt hat. Geldbußen vom Kartellgericht sind da das aller Unwichtigste. Das Wichtigste ist, dass die Medien den Finger draufhaben. (DER STANDARD Printausgabe 30.06.2004)

Zur Person

Der Anwalt und Universitäts­professor Walter Barfuß (67) wurde 2002 zum Generaldirektor der Bundes­wettbewerbs­behörde ernannt

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    Wettbewerbshüter Walter Barfuß

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