"21 Jahre Blockade sind vorbei"

29. Juni 2004, 18:18
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Endlich wurde grünes Licht für eigenes Musik­theater gegeben - 111 Millionen Euro will Linz in neue Insti­tution am Standort Blumau investieren

Linz - "Alea iacta est", so beendete Oberösterreichs Landeshauptmann und Kulturreferent Josef Pühringer (VP) am Dienstag in einer Pressekonferenz nach einem neuerlichen Musiktheater-Gipfel die Diskussion um einen kulturpolitischen Dauerbrenner der letzten Jahre. Nach einem jahrzehntelangen Ringen der landespolitischen "Gladiatoren" von VP, SP, Grünen und FP rund um die Frage "Wohin mit dem neuen Theater?" scheint man jetzt eine Lösung für das viel diskutierte und zigfach herumgereichte "Kulturkind" gefunden zu haben.

Aus letztlich sieben Möglichkeiten wählte die so genannte "Standortfindungskommission" die Blumau im Herzen von Linz (siehe Stadtplan) aus. Zur Wahl standen das ursprünglich vorgesehene Theater im Schlossberg - von VP-Seiten immer favorisiert und durch ein FP-Volksbegehren gekippt -, das Gelände beim Urfahraner Jahrmarkt, der Donaupark zwischen dem Linzer Kunstmuseum Lentos und dem Brucknerhaus, der Hessenplatz und das Gelände des alten Unfallkrankenhauses, das letztlich mit sechs zu null Stimmen von der Kommission gutgeheißen wurde.

"Die geschätzten Errichtungskosten des neuen Linzer Musiktheaters werden sich auf rund 111 Millionen Euro belaufen", so Pühringer. Zu überarbeiten sei aber auf jeden Fall noch das so genannte "Begleitprogramm" - Kosten für eine Verkehrslösung, die Grünlandgestaltung und Tiefgaragen - in der Höhe von rund 28 Millionen Euro. Es entspreche der jetzige Standort "sicher nicht zu 100 Prozent den Vorstellungen der VP, doch in einer Demokratie hat man Abstimmungen zu akzeptieren", betonte Pühringer.

Zufrieden zeigten sich auch Bürgermeister Franz Dobusch und Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider (beide SP). Man habe zwar immer einen Umbau am alten Standort favorisiert, doch sei die "Kompromissvariante städtebaulich und verkehrstechnisch sehr interessant", so Haider.

Auch von Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) - immer ein Verfechter der jetzt gewählten Variante - gab es im wahrsten Sinn des Wortes grünes Licht: "Jahrzehntelange Diskussionen und 21 Jahre politische Blockade sind jetzt Gott sei Dank vorbei!" Die Blumau würde durch die Neugestaltung des Bahnhofsviertels (Bau der Nahverkehrsdrehscheibe und des Landesdienstleistungszentrums, des geplanten "Wissensturms" mit Stadtbibliothek und Volkshochschule sowie durch den Ausbau der "Energie AG"-Zentrale) "hochinteressant sein", betonte Anschober.

Crème de la Crème

Nach einer zu erwartenden Beschlussfassung in einer Sitzung der Landesregierung am 12. Juli werde man, so Pühringer, mit den Vorbereitung für einen internationalen Architektenwettbewerb beginnen. "Ich wünsche mir, dass die Crème de la Crème europäischer Architekten ihre Ideen einbringt", so der Landesvater.

Auf wenig Gegenliebe stößt der Musiktheater-Kompromiss bei der FP: "Der Beschluss für die neue Oper ist eine schwarz-grün-rote Ignoranz gegenüber dem Wähler und die für den Steuerzahler schlechteste und teuerste Lösung", polterte FP-Klubobmann Günther Steinkellner.

Michael Klügl, der scheidende Linzer Intendant (er wechselt nach Hannover), sprach gegenüber der APA von einer "sehr demokratischen Standortentscheidung", die somit eine gute sei. Bezüglich der Anmerkung, dass am Standort Blumau bereits Hitler ein Opernhaus errichten wollte, sagte Klügl: "Das Witzige ist, dass dieser Vorschlag von den Grünen favorisiert wurde. Natürlich kann man über diese Dinge schmunzeln, aber es belastet das Projekt sicher nicht. So frei muss man sein." (DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2004)

Von
Markus Rohrhofer
  • Soll 2006 abgerissen werden - und Platz für das neue Musiktheater von Linz machen: das Unfallkrankenhaus in der Blumau nächst dem Hauptbahnhof.
    foto: rubra

    Soll 2006 abgerissen werden - und Platz für das neue Musiktheater von Linz machen: das Unfallkrankenhaus in der Blumau nächst dem Hauptbahnhof.

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