Dauerdiskussion in Dur und Moll

29. Juni 2004, 18:18
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Streit um (k)ein Musiktheater seit 1983 - Eine Chronologie der Misstöne

Linz - Die Einigung über einen Standort für das neue Linzer Musiktheater dürfte für die politisch Verantwortlichen offensichtlich ebenso überraschend gekommen sein wie für die vielen Oberösterreicher, die das Theater rund um das Theater seit Jahrzehnten miterlebten. Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch etwa bezeichnete noch Anfang Juni die Sache als "gelaufen" und sah "keine Möglichkeit mehr" für eine Fertigstellung bis 2009, dem Jahr, in dem Linz als Kulturhauptstadt auserkoren wurde.

Misstöne von gestern

Doch dies sind jetzt Misstöne von gestern. Nach rund 21 Jahren - geprägt von Diskussionen, scheinbar greifbaren Lösungen und parteipolitischem Hickhack - fällt der letzte Vorhang über einem unvergleichlich kuriosen Akt der oberösterreichischen Kulturgeschichte, der bereits 1977 begann. Der damalige Direktor der Linzer Veranstaltungsgesellschaft (LIVA), Horst Stadlmayr, formulierte erstmals den Wunsch nach einem Opernhaus für die Landeshauptstadt und brachte damit einen Stein ins Rollen, der erst in diesen Tagen zum Stillstand kommen sollte. Im März 1983 wurde das Thema noch einmal aufgegriffen, es folgte der erste "musikalische" Konflikt zwischen dem damaligen Landeshauptmann Josef Ratzenböck (VP) und dem ehemaligen Linzer Bürgermeister Franz Hillinger (SP).

Volksbefragung

In den folgenden Jahren tauchte das Musiktheater zwar immer auf, konkrete Entscheidungen fielen aber nicht. Erst im Jahr 1992 kam es schließlich zu einem einstimmigen Ja im Landtag. Zwei Jahre später schien der Neubau in greifbarer Nähe, das Projekt "Theater im (Schloss-) Berg" wurde präsentiert.

Die Arbeiten waren bereits in vollem Gange, als die Verantwortlichen des Landespolitik plötzlich ein blaues Wunder erlebten: Eine FPÖ-Volksbefragung brachte das Theaterprojekt im Berg zu Fall. Rund 59 Prozent stimmten damals gegen ein Musiktheater. Was der Diskussion aber keinen Abbruch tat: Im März 2001 rief Landeshauptmann Pühringer eine Expertenkommission zur Standortsuche ins Leben. Diesmal offensichtlich mit einigem Erfolg: Im Jahr 2006 soll man die späten musikalischen "Früchte" ernten können. (mro/DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2004)

  • Dieses Projekt scheiterte am Widerstand der FP: das Siegermodell im Wettbewerb für das Linzer Musiktheater im Berg von Otto Häuselmayer, 1998.
    foto: rubra

    Dieses Projekt scheiterte am Widerstand der FP: das Siegermodell im Wettbewerb für das Linzer Musiktheater im Berg von Otto Häuselmayer, 1998.

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