Stadler: "Gesichter auszutauschen ist sicherlich zu wenig"

2. Juli 2004, 13:11
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Der umstrittene FP-Volksanwalt will im STANDARD-Interview auch als Partei-Vize Volksanwalt bleiben

Volksanwalt Ewald Stadler wird als Vizeparteichef kandidieren. Er verfüge über genug Erfahrungen im Umgang mit der ÖVP. Volksanwalt will er auf jeden Fall bleiben, sagt er zu Peter Mayr.

STANDARD: Kandidieren Sie tatsächlich als Vizeparteichef?

Stadler: Ich trete an. Das habe ich auch der designierten Parteichefin Ursula Haubner am Freitag schon angekündigt.

STANDARD: Wird Haubner Sie auf ihre Liste setzen?

Stadler: Das weiß ich nicht. Sie hat es im Gespräch mit mir offen gelassen.

STANDARD: Warum wollen Sie ihr Stellvertreter werden?

Stadler: Ursula Haubner hat gesagt, dass alle, die einen Beitrag für die Partei leisten können, mitarbeiten sollen. Ich verfüge über genug Erfahrungen im Umgang mit der ÖVP. Eine Politik mit Ecken und Kanten gegenüber diesem Koalitionspartner ist möglich, wenn man dazu entschlossen ist. Es geht um die nachhaltige Themenpflege. Dass man nicht alles gleich wegwirft, nur weil die ÖVP zu einem Thema beim Kanzlerfrühstück die Nase rümpft.

STANDARD: Sie finden, dass der FPÖ Profil fehlt?

Stadler: Selbstverständlich. Und zwar ein thematisches Profil: Es geht um jene Themen, die man zwischen Ballhausplatz und Hofburg auf die Straße gekippt hat. Hans-Peter Martin hat sich des urfreiheitlichen Themas Privilegienabbau angenommen und damit 14 Prozent geschafft. Er hat aufgeklaubt, was wir liegen gelassen haben.

STANDARD: Der frühere FP-Klubchef Peter Westenthaler warnt vor einem zweiten Knittelfeld.

Stadler: Mein Gott! Wer ist der Herr Westenthaler? Der soll sich besser um den heimischen Fußball kümmern.

STANDARD: Dass es zu einer Spaltung der Partei kommen könnte, fürchten Sie nicht?

Stadler: Nein. Ganz im Gegenteil: Jene Kräfte, die dafür gesorgt haben, dass die FPÖ überlebt, waren immer jene, die den Wählern im Wort geblieben und ihrer Weltanschauung treu geblieben sind.

STANDARD: Die Umbildung im Regierungsteam ist zu wenig?

Stadler: Gesichter auszutauschen ist sicherlich zu wenig. Für den Wähler ist entscheidend, welche Themen die FPÖ vertritt. Ist das nicht klar ersichtlich, nützt die ganze Türschildaustauscherei nichts.

STANDARD: Bleiben Sie als Vizeparteichef Volksanwalt?

Stadler: Selbstverständlich. Ich bin ja auch als stellvertretender Landesobmann Volksanwalt gewesen. Mein SP-Kollege Peter Kostelka war immerhin Kandidat der SPÖ bei der letzten Nationalratswahl. Das war auch kein Problem.

STANDARD: Selbst Haider will, dass Sie in diesem Fall als Volksanwalt ausscheiden.

Stadler: Auch das wird mich nicht von einer Kandidatur abhalten. Meine Chancen sind offensichtlich nicht so schlecht. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2004)

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    Ewald Stadler will der FPÖ den rechten Weg zeigen.

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