Outperformance mit 36 Value-Aktien

22. Februar 2005, 20:13
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Hendrik Leber vertraut als Manager des ACATIS Aktien Global Fonds UI voll auf die Value-Strategien von Warren Buffet und Benjamin Graham - Den MSCI World schlägt er damit leicht

Für Hendrik Leber ist Warren Buffett der „größte Investor aller Zeiten“ und geistiger Mentor. Neben Buffett´s Strategien mischt er aber auch Value-Konzepte von Benjamin Graham & Co. bei und kombiniert dies noch mit Behavioral Finance Konzepten. In den letzten Jahren mit Erfolg: Anhand der Sharpe Ratio liegt der Fonds über die letzten fünf bzw. drei Jahre unter den Top-3-Aktienfonds mit globalem Anlageschwerpunkt. Zum Vergleich: Einen ähnlichen Investmentansatz verwendet auch Michael Keppler, Fondsmanager des Global Advantage Funds Major Markets bzw. Klassik Aktien.

Best of: 36 Aktien aus sechs Strategien

e-fundresearch: Dr. Leber, wie sieht das Rezept des ACATIS Aktien Global Fonds aus?

Hendrik Leber: Wir setzen auf Value-Methoden, die in der Vergangenheit besonders gut funktioniert haben. Dabei haben wir uns die unterschiedlichsten Strategien genau angesehen und daraus die sechs besten selektiert.

Auf der einen Seite setzen wir auf klassische Methoden - etwa von Benjamin Graham aus dem Jahr 1934 - wie Kurs-Buchwert, Dividendenrendite und Kurs-Gewinn-Verhältnis. Andererseits sind das modernere Methoden von Phil Fisher oder Warren Buffett, welche auf die interne Kapitalrentabilität (Owner´s Earnings) und Copycat (hier werden die Transaktionen von Warren Buffett verfolgt, Anm. d. Red.) abzielen. Im Fonds kombinieren wir diese fünf Methoden dann mit der Lehre von der Behavioral Finance und achten hier etwa auf Insider-Verhalten, Aktienrückkäufe, etc. Aus jeder der sechs Strategien suchen wir dann die aus unserer Sicht besten sechs Aktien aus. Das Portfolio weist mit 36 Werten unserer Ansicht nach genügend Diversifikation auf. Gleichzeitig zwingt uns diese Konzentration aber dazu, unser Augenmerk auf die Einzeltitel zu setzen. Regional und sektoral gibt es keine Beschränkungen.

"Outperformance 2003 nicht wiederholbar"

e-fundresearch: Zwischen März 2000 und 2003 liegt der Fonds gegenüber dem MSCI World zurück. Ab März 2003 scheint der Ansatz dann auf einmal sehr gut funktioniert zu haben: Seitdem liegen sie mit über 70 Prozent im Plus, der MSCI World schaffte nur +34 Prozent. Warum hat ihr Value-Ansatz gerade in den letzten 15 Monaten so gut funktioniert und nicht davor als die Märkte so stark nachgegeben haben?

Hendrik Leber: Rein sachlich habe ich darauf auch keine Antwort. Backtests haben aber gezeigt, dass alle Value-Strategien in diesem Zeitraum gut gelaufen sind. Die verschiedenen Value-Strategien haben generell unterschiedliche Zyklen der Out- bzw. Underperformance. Unser Ansatz sollte sich in der Theorie nur am Ende eines Bullenmarktes bzw. in späten Absturzphasen schlechter als der Markt entwickeln. In allen anderen Marktphasen sollten wir statistisch gesehen ganz gut liegen.

Die außerordentliche Performance der letzten 12-15 Monate ist aber sicher nicht wiederholbar. 2004 sollte dennoch ein ganz ordentliches Aktienjahr werden. Seit Jahresbeginn liegen wir z.B. mit 11,9 Prozent vs. 7,5 Prozent beim MSCI World vorn.

"Will den MSCI World jährlich um 4% schlagen"

e-fundresearch: Wie sieht ihr Anlageziel für den Fonds aus?

Hendrik Leber: Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass unsere Value-Methoden in der richtigen Kombination eine Outperformance zum MSCI World von 4-20 Prozent pro Jahr bringen. In den letzten sieben Jahren konnten wir damit im Schnitt 13 Prozent an Mehrertrag generiert, wir liegen also etwa in der Mitte.

Wir wären sehr unglücklich, wenn wir den MSCI World pro Jahr nicht um mindestens vier Prozent outperformen würden. Eine leicht höhere Volatilität als der Index nehmen wir dafür aber in Kauf. Aktuell liegt die Volatilität bei 15%.

US-Wahlen: Risikofaktor 2004

e-fundresearch: Mit welchem weiteren Marktverlauf bei globalen Aktien gehen Sie aus?

Hendrik Leber: Die nächsten Jahre an der Börse sollten sehr volatil und vor allem ohne klaren Trend verlaufen.

Regional sehen wir Mitteleuropa aktuell als unterbewertet an. Die Unternehmensgewinne haben sich zuletzt relativ gut entwickelt, die politische Stimmung ist dagegen sehr schlecht. Bis zu den Wahlen dürfte es in den USA noch Gewinne bei Aktien geben und auch Japan finden wir aufgrund des Booms in China nach wie vor interessant. Das Hauptrisiko besteht dieses Jahr meiner Meinung nach in der Zeit nach den US-Wahlen, wenn der Konjunkturmotor über eine Zinserhöhung abgedreht wird.

Sektoral haben wir vor kurzem Telekom-Titel zugekauft. Weiters sind Banken und Versicherungen billig bewertet. Eine Allianz finden Sie etwa unter unseren Top-3-Positionen. Und auch der Energiesektor ist günstig bewertet.

"Große Häuser kleben an der Benchmark"

e-fundresearch: Warum sind gerade im Segment „Globale Aktien“ kleine Fondsmanagementhäuser so gut? Zahlt sich das weltweite Research der großen Firmen nicht aus?

Hendrik Leber: Ich denke, das liegt daran, dass man sich als erfolgreicher Fondsmanager deutliche Schwerpunkte setzen muss. Großteils muss man sich vom Index entfernen und teilweise auch unbeliebte Aktien kaufen. In großen Häusern klebt man tendenziell an der Benchmark und setzt stärker auf laufende Trends, d.h. man kauft populäre Titel. Um Erfolg zu haben, suche ich aber etwa nach dem „Mauerblümchen“ der Börse.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

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