Kein Ruefa-Käufer in Sicht

8. Juli 2004, 15:42
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Verkehrsbüro will keine weiteren Gespräche führen - TUI winkt ab - Mageres Angebot von Pineapple Tours

Wien - Die Chancen für die Bayerische Landesbank (BayernLB), die seit drei Jahren in ihrem Besitz stehende Reisebürokette Ruefa zu einem guten Preis verkaufen zu können, stehen angesichts der zuletzt nicht rosigen Entwicklungen des österreichischen und internationalen Reisemarktes aktuell alles andere als gut. Noch vor wenigen Jahren wäre ein Verkauf sicher leichter gewesen, meinen Brancheninsider. Die Großen der Branche haben derzeit jedenfalls "kein brennendes Interesse" an einer Ruefa-Übernahme, wie ein Rundruf der APA am Dienstag ergab.

Pineapple einziger Interessent

Einziger offizieller Interessent für Ruefa ist der kleine österreichische Reiseveranstalter Pineapple Tours, der eigenen Angaben zufolge allerdings nur "7 bis 10 Mio. Euro" für eine 100-Prozent-Übernahme der Reisebürokette zahlen würde. Ein entsprechendes Angebot will Pineapple Tours Anfang nächster Woche abgeben. Als Kaufpreis für Ruefa wurden allerdings zuletzt rund 50 Mio. Euro kolportiert, die BayernLB selbst soll der früheren Ruefa-Eigentümerin BAWAG 40 Mio. Euro gezahlt haben.

Kein Interesse hat hingegen der größte österreichische Reisveranstalter TUI Austria. "Aus unserer Sicht macht eine Übernahme der Ruefa für uns keinen Sinn, der Sache fehlt die Fantasie", sagte der Chef der TUI Austria Holding AG, Franz Leitner, am Dienstag zur APA. Die TUI sehe sich im Vertrieb mit ihren 105 TUI-Reisecentern gut aufgestellt. Außerdem würden sich derzeit viele alternative Vertriebsmethoden wie etwa Call Center oder Vertrieb in anderen Bereichen wie dem Lebensmittel- oder Möbelhandel (Stichwort Hofer, Tschibo/Eduscho und Kika) entwickeln, die Investitionsbereitschaft in den klassischen Filial-Vertrieb habe daher in den vergangenen Jahren abgenommen, so Leitner.

"nicht die Zeit für einen Verkauf"

Nicht sehr interessiert zeigte sich heute auch die Thomas Cook Austria. Als guter Kaufmann würde er zwar wie jedes Angebot auch eine Ruefa-Übernahme prüfen, wenn eine solche an ihn herangetragen würde, meinte Thomas Cook Austria-Vorstandssprecher Peter Balluch heute zur APA. Bisher sei aber niemand wegen eines Verkaufs an ihn herangetreten. Die Zeiten hätten sich aber geändert, derzeit sei "nicht die Zeit für einen Verkauf von Reisebüro-Ketten oder Reiseveranstaltern". Ein allfälliges Interesse der Thomas Cook für Ruefa hänge auch vom Kaufpreis ab.

Bereits abgewunken hat das Österreichische Verkehrsbüro. "Die Ruefa wurde auch uns zum Kauf angeboten. Es gibt aber keine weiteren Gespräche, das Kapitel ist für uns abgeschlossen", sagte Verkehrsbüro-Sprecher Andreas Zenker zur APA.

BayernLB

Die Bayern LB hat heute auf APA-Anfrage die Möglichkeit des Verkaufs von Ruefa bekräftigt. "Wir haben unser Beteiligungsportfolio auf den Prüfstand gestellt, die Reiseaktivitäten gehören definitiv nicht zum Kerngeschäft. Ein Verkauf von Ruefa ist daher nicht ausgeschlossen", sagte BayernLB-Sprecher Matthias Lücke. Marktgerüchte über mögliche Interessenten und den Wert der Reisebürokette wollte die BayernLB aber nicht kommentieren. Ruefa Reisen ist nach der Pleite der Aero Lloyd die einzige Tourismus-Beteiligung der bayerischen Bank.

Ruefa Reisen wurde vor drei Jahren von der BAWAG an die BayernLB verkauft. Die Reisebürokette verfügt in Österreich, Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Polen über insgesamt knapp 120 Standorte, 91 davon in Österreich. Im Geschäftsjahr 2002/03 (per Ende Oktober) wurden mit 400 Mitarbeitern 171,5 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) drehte von minus 14.000 auf 491.434 Euro ins Positive. Laut Ruefa-Boss Christian Bammer soll sich der Gewinn heuer "zumindest verdoppeln".

"Reisen Urlaub Erholung Für Alle"

Das Kürzel Ruefa steht übrigens für "Reisen Urlaub Erholung Für Alle". Das 1947 gegründete Unternehmen besitzt in Österreich die Mehrheit am Kärntner Reisebüro, an Fox Tours und an Intertravel. Im Ausland ist Ruefa in Osteuropa in der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Polen tätig. (APA)

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