EM-Premiere für Portugal oder zweiter Finaleinzug für Oranje

30. Juni 2004, 22:42
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Gastgeber seit 28 Spielen in Lissabon unbesiegt - Niederländern gelang erst ein Erfolg gegen Iberer

Lissabon - Nach zwei Ruhetagen strebt die zwölfte Fußball-EM-Endrunde in Portugal ihrem finalen Höhepunkt entgegen. Am Mittwoch im Lissabonner Alvalade-Stadion und am Donnerstag in der Dragao-Arena werden zwischen Portugal und den Niederlanden sowie in Porto zwischen Griechenland und Tschechien jene zwei Teams ermittelt, die am Sonntag im Stadion des Lichts der Hauptstadt um den begehrten Titel und um die Nachfolge Frankreichs spielen. Da wie dort hat einer der Semifinalisten, die alle aus den Gruppen A und D kommen, schon das Endspiel-Gefühl auskosten dürfen.

In der Mittwoch-Partie trifft das auf die zum fünften Mal im Halbfinale stehenden Oranjes zu, die 1988 in München die damalige Sowjetunion 2:0 besiegten und damit auf Anhieb die Trophäe holten. Dieses Kunststück wollen jetzt die Iberer, die in ihren jüngsten neun EM-Spielen stets scorten und damit den Rekord Frankreichs egalisierten, auch realisieren. Sie stehen zum dritten Mal nach 1984 und 2000 in der Runde der letzten Vier und wollen nun erstmals um den Pokal spielen. Gelingt ihnen der große Coup, dann wären sie nach Spanien (1964), Italien (1968) und Frankreich (1984) das vierte Gastgeberland, in dem der Titel bleibt.

Spannende Duelle in der WM-Quali 2002

Portugiesen und Niederländer, vor vier Jahren jeweils im EM-Semifinale (gegen Frankreich bzw. Italien) gescheitert, standen einander insgesamt erst acht Mal gegenüber, wobei die Holländer im Oktober 1991 in Rotterdam (1:0) im zweiten Treffen den bisher einzigen Sieg einfuhren. Brisante Duelle gab es in der Qualifikation für die WM 2002. Portugal überraschte mit einem 2:0 in Rotterdam, einem 2:2 in Porto und fuhr letztlich im Gegensatz zu den Gegnern nach Asien, wo allerdings nach den Gruppen-Spielen Endstation war.

Das war die Vergangenheit, für die Gegenwart heißt die Devise: neues Spiel, neues Glück! "Wir werden das Finale erreichen, weil wir die bessere Mannschaft sind. Es ist Portugals Schicksal, das letzte Turnier-Spiel zu bestreiten. Wenn man so weit kommt, aber das Endspiel nicht erreicht, wäre das schon extrem enttäuschend", so Deco, der von seinem brasilianischen Landsmann und Teamchef Luiz Felipe Scolari gegen Widerstände eingebürgt wurde. Nun dankt es der 26-jährige Mittelfeldstar, der im ersten EM-Spiel nur auf der Bank gesessen war, auf dem Platz.

Deco mit Gelb vorbelastet

Der kleine Mann mit großem spielerischen Potenzial baut seinen Optimismus auf zwei Faktoren: "Unsere Qualität und Stärke basiert auf unserem Teamwork, und diese Faktoren könnten den Unterschied ausmachen", meint Deco, der auch den Faktor Heimvorteil nicht als Belastung, sondern als wichtigen Bestandteil bezeichnet. Die Kulisse steigere die Leistung um 20 bis 30 Prozent. Nach dem UEFA-Cup und Champions League-Triumph mit dem FC Porto möchte er jetzt ein weiteres großes Endspiel erreichen. Im Falle eines Sieges darf er sich allerdings wie Carvalho und Costinha keine weitere Gelbe einhandeln.

Die Niederländer, die als erstes Land nach einer Niederlage im ersten EM-Spiel den Titel gewannen und nie mehr als eine Partie pro EM-Turnier verloren, haben mit van der Meyde, Makaay und den verletzten de Boer ebenfalls drei Gelb Verwarnte in ihren Reihen. Und mit Arjen Robben ebenfalls einen Spieler, der zum EM-Auftakt nur Zuschauer gewesen war, aber sich dann auch in die Herzen der Fans gespielt hat. Bondscoach Dick Advocaat stachelt den 20-Jährigen und dessen Kollegen auf und erinnert an die verpasste WM 2002: "Das Erreichte ist zu wenig, dort waren wir nach unserem Titel 1988 zuletzt 1992 und 2000 auch, wir brauchen mehr."

Scolari gibt dem Schiedsrichter Tipps

Er erwartet ein völlig anderes Spiel als im Viertelfinale gegen die Schweden. "Die Portugiesen liegen uns besser, sie sind wie wir eine Mannschaft, die den Kombinationsfußball bevorzugt und das ermöglicht uns, unser Spiel aufzuziehen." Der Niederländer hätte nichts dagegen, wenn der zuletzt gegen England ausgewechselte Figo nicht zum Einsatz käme. "Weil er unberechenbar ist und ein Spiel allein entscheiden kann", sagt Advocaat, dessen Widerpart sich um den schwedischen Referee Anders Frisk Gedanken macht. "Er muss aufmerksam sein und darf den Gegner nicht bevorzugen. Reiziger hebt beim Out-Einwurf ein Bein und van Nistelrooy steht bei Freistößen oft Abseits", sagte Scolari, der zum ersten Welt- und Europameister-Teamchef werden könnte, nach dem Video-Studium.(APA/Reuters/dpa/AFP)

Halbfinale:

  • PORTUGAL - NIEDERLANDE (Lissaboner Alvalade-Stadion, Mittwoch, 20.45 Uhr MESZ/live ORF 1, Schiedsrichter Anders Frisk/SWE)

    Portugal: Ricardo - Miguel, Carvalho, Andrade, Valente - Ronaldo, Costinha, Maniche, Deco, Figo - Gomes

    Bei der nächsten Gelben Karten im Finale gesperrt: Deco, Carvalho, Costinha

    Niederlande: van der Sar - Reiziger, Bouma, Stam, van Bronckhorst - van der Meyde, Seedorf, Davids, Cocu, Robben - van Nistelrooy

    Bei der nächsten Gelben Karte im Finale gesperrt: van der Meyde, Makaay

    • Luis Figo, wichtigster Vertreter der Goldenen Generation.

      Luis Figo, wichtigster Vertreter der Goldenen Generation.

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